Mit Lernlandkarten Tiefenwissen vermitteln

Olivia Vrabl zeigte, wie man von einem oberflächlichen Wissen zu einem Tiefenwissen gelangt.
Olivia Vrabl zeigte, wie man von einem oberflächlichen Wissen zu einem Tiefenwissen gelangt.

Beim ExpertInnenforum Hochschuldidaktik der FH OÖ am 12. März 2018 referierte MMag. Dr. Olivia Vrabl zum Thema "Und wie hängt das nun alles zusammen? Wissen vernetzen – Lernlandkarten erstellen". Sie zeigt Methoden, wie Studierende von einem Oberflächen- zu einen Tiefenwissen gelangen können.

Olivia Vrabl: Wissen vernetzen - Lernlandkarten erstellen


MMag. Dr. Olivia Vrabl ist Lektorin an der Uni Wien, Salzburg und Innsbruck und geht in ihrem Vortrag auf die Bedeutung von Lernlandkarten im Lernprozess ein. Ziel ist es, Wissen zu vernetzen, Zusammenhänge zu erkennen und vom oberflächlichen Wissen zum Tiefenwissen zu gelangen. Vrabl zeigt in ihrem Vortrag Methoden, wie Studierende Vorwissen aktivieren können, um neues Wissen einzuordnen, Wissen aktiv zu strukturieren, Vernetzungen und Zusammenhänge sichtbar zu machen und diese erarbeiteten Strukturen als Diskussiongrundlage zu verwenden.

BildungsTV hat mit Olivia Vrabl nach ihrem Vortrag gesprochen.

BildungsTV: Sie haben gerade einen Kurzvortrag zum Thema Lernlandkarten/Wissen vernetzen gehalten. Was versteht man unter Lernlandkarten?

Vrabl: Also der Fokus heute war auf visuelle Zusammenfassungen eines Sachverhaltes, wo man auch Wissen vernetzt und die Vernetzungen sichtbar macht. Und dafür sind Lernlandkarten da.

BildungsTV: Was sind da die großen Vorteile? Natürlich: Wissen vernetzen ist schon mal sehr gut. Aber wo setzt man es ein? Was sind die großen Vorteile davon? Wann kann man es anwenden?

Vrabl: Die Vorteile sind, dass man sozusagen gezwungen ist, nicht oberflächlich zu lernen, sondern in die Tiefe zu lernen. Man muss also schauen: Was für Prinzipien liegen eines Inhaltes zugrunde? Wie hängen die Sachen zusammen? Und es hilft auch beim Rekapitulieren und beim Zusammenfassen. Also das Langzeitgedächtnis spricht es an.  Man kann es zu Beginn machen, um einen Überblick zu verschaffen oder Vorwissen zu aktivieren. Man kann es auch in der Mitte des Semesters einmal machen, um zu schauen: Wie hängen jetzt die Themenbereiche, die wir bereits besprochen haben, zusammen. Man kann es am Ende des Semesters machen und dann auch schauen: Wie hängt das Thema vielleicht mit anderen Lehrveranstaltungen zum Beispiel zusammen.

BildungsTV: Gibt es auch Schwächen? Gibt es Nachteile dieser Methode?

Vrabl: Man kann es sehr schwer zum Erarbeiten von Wissen verwenden. Und es ist vielleicht nicht so leicht zum Überprüfen, was die Person tatsächlich gelernt hat. Weil das Ergebnis, das Endprodukt, nicht den Prozess widerspiegelt, wenn Personen jetzt drei Stunden lang eine Struktur versuchen zu zeichnen. Und es ist relativ schwierig zu bewerten.

BildungsTV: Ist diese Methode grundsätzlich immer einsetzbar oder gibt es Veranstaltungsformen, wo es nicht geeignet ist oder nur begrenzt geeignet? Oder gibt es Situationen, wo es sich wirklich anbietet und da setzt man nur auf diese Methode? Also: Wo findet man sich am besten zurecht mit dieser Methode?

Vrabl: Dadurch, dass das jetzt ein Methoden-Bündel war, diese Lernlandkarten, gibt es Variationen, die man am Anfang einsetzen kann als Lehrperson in Vorlesungen. Das wäre der Advanced Organizer zum Beispiel. Strukturlegetechnik mit Kärtchen in Kleingruppen lässt sich natürlich nur in Seminarräumen machen, in denen auch die Stühle und die Tische umstrukturierbar sind. Also es hängt davon ab, welche Variante der Methoden man verwendet. Also letzten Endes: Man kann alle Methoden überall verwenden, man muss nur die richtige Variante finden für die Gruppe.

BildungsTV: Studierende, die diese Methode nicht kennen: Gibt es da Anlaufprobleme? Oder geht das dann mit der Bearbeitung der Themen, dass man automatisch im Thema ist?

Vrabl: Sie machen das intuitiv richtig. Man muss ihnen nur den Unterschied zwischen einem Brainstorming, einer Mindmap und einer tatsächlichen Lernlandkarte verdeutlichen. Dass bei der Mindmap der Bedeutungskern in der Mitte ist und da gehen halt Äste raus. Und bei einer Lernlandkarte ist auch die Überlegung: Warum ist dieser Ast links oben und der andere rechts unten. Dass also auch die Struktur und das Bild viel mehr Gehalt und Gewicht haben.

BildungsTV: Danke sehr für das Gespräch!

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