20 Jahre Schulversuch Ethik. Was nun?

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Seit mehr als 20 Jahren findet an vielen Schulen Österreichs Ethikunterricht als Schulversuch statt. Obwohl schon empirische Daten vorliegen, die die Einführung von Ethik in den Regelunterricht als positiv bewerten, ist noch nichts in diese Richtung passiert.

20 Jahre Schulversuch Ethik - was nun? Mit dieser Frage beschäftige man sich am 10. November im Rahmen einer Enquete an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Geladen waren unter anderem der Religionspädagoge Anton Bucher, Germanist Christian Schacherreiter sowie von Seiten des Ministeriums für Bildung Sektionschef Kurt Nekula.

Ausgangslage

Seit mehr als 20 Jahren findet an vielen Schulen Österreichs Ethikunterricht als Schulversuch statt. Er verpflichtet Schüler der Sekundarstufe II, die keinen Religionsunterricht besuchen, zum Besuch des Faches "Ethik". Der Schulversuch läuft mittlerweile an 214 Schulen österreichweit. Da der Ethikunterricht nicht im Regelschulwesen verankert ist, haben Schüler jener Schulen, die nicht am Schulversuch teilnehmen und sich vom konfessionellen Religionsunterricht abmelden, eine Freistunde.
Nach über 20 Jahren als Schulversuch gibt es bis heute keine Lösung, inwieweit der Ethikunterricht in das Regelschulwesen eingeführt werden soll.

Schule in der Pflicht

Gemäß dem Zielparagraphen des Schulorganisationsgesetzes besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Werteerziehung aller Schüler: "Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren, Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg entsprechenden Unterricht mitzuwirken".

Die zentrale Frage ist es, wie dieser Verpflichtung künftig nachgegangen werden soll. Deshalb hat sich die PH OÖ auch zu dieser Enquete entschlossen, um ein wenig Bewegung in die Entscheidung zu bringen. Letztlich ist es doch ein Politikum, das schier endlos erscheint.

Unethische Bildungspolitik - 20 Jahre Schulversuch Ethik


Für den Religionspädagogen und Buchautor Dr. Anton Bucher von der Universität Salzburg ist es unumgänglich, dass über kurz oder lang der Ethikunterricht für alle Schüler stattfinden soll. Er sieht vor allem in der Politik die Gründe dafür, dass der Schulversuch Ethik bereits über 20 Jahre andauert. Für Bucher ist es aber wichtig, künftig allen Schülern einen einheitlichen und umfassenden Ethikunterricht nahebringen zu können. Er fordert einen Ethikunterricht, der nicht nur die Religionen umfasst, er solle vielmehr auch Werte wie Toleranz und Mündigkeit vermitteln.

Zwischen Multikulturalität und Leitkultur: Ethik in der Schule


Dr. Christian Schacherreiter ist Germanist und war mehrere Jahre lang als Direktor am Georg von Peuerbach Gymnasium in Linz tätig. In dieser Zeit hat er gute Erfahrungen mit dem Unterrichtsfach Ethik gemacht. Auch er fordert, dass Ethik und Sozialkunde für jeden Schüler verpflichtend eingeführt werden soll. In seiner Laufbahn habe er auch viele engagierte und gute Lehrkräfte kennengelernt, die mit großer Motivation Ethik unterrichtet haben. Er sieht außerdem einen groben Stillstand in der Politik und fordert die Verantwortlichen auf, endlich einen Schlussstrich unter den Schulversuch zu setzen und Ethik für alle einzuführen.

Interview: Ethik muss mehr sein


Prof. Dr. Anton Bucher ist ein Schweizer Religionspädagoge und Buchautor. Er sieht den Ethikunterricht als Verpflichtung, in dem die jungen Menschen mit Grundwerkzeugen wie etwa Toleranz und Mündigkeit ausgestattet werden. Für Bucher soll der Ethikunterricht von der Konfession getrennt werden. Es soll vielmehr ein für alle Schüler verpflichtendes Fach werden. "Ethik ist zu wichtig, als dass es nur einer kleinen Gruppe von Schülern gelehrt wird", so Bucher.

Interview: 20 Jahre Schulversuch Ethik


Der Germanist Dr. Christian Schacherreiter war am Georg von Peuerbachgymnasium in Linz als Direktor tätig und hat selber viele Erfahrungen mit Ethik als Schulversuch gemacht. Er ist davon überzeugt, dass der Ethikunterricht wichtig ist und als fixer Bestandteil in den Lehrplan mit aufgenommen werden soll. "Der Ethikunterricht hat bei Schülern und Eltern immer eine hohe Zustimmung gehabt", so Schacherreiter. Er gibt außerdem der Politik die Schuld, dass Ethik noch immer als Schulversuch geführt wird.

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