Stellen Sie die richtigen Aufgaben?

Aufgabe ist nicht gleich Aufgabe und Schüler ist nicht gleich Schüler. Wie können es Lehrkräfte schaffen, für alle Schülerinnen und Schüler die bestmöglichen Aufgaben zu stellen und somit den größtmöglichen Lerneffekt zu erreichen? Das war Thema der diesjährigen NMS-Sommersymposien.

Neue Mittelschule: Mit besseren Aufgaben zu mehr Lernerfolg


An insgesamt vier Tagen im Sommer 2017 rief das Zentrum für lernende Schulen, kurz ZLS, zur Fortbildung für NMS-Lerndesigner nach St. Johann im Pongau. Im Zentrum stand die richtige Aufgabenstellung für Schülerinnen und Schüler. Aufgabe ist nicht gleich Aufgabe und Schüler ist nicht gleich Schüler - daher stellten sich rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Frage, wie man die Aufgabenstellung so formulieren könnte, dass für alle der größtmögliche Lernerfolg eintritt.

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Evi Agostini: Lernen zwischen Finden und Erfinden: Sinnstiftende Aufgaben


Mag. Evi Agostini ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) an der Universität Innsbruck (Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung) und geht in Ihrem Vortrag auf die Thematik der Aufgabenstellung im Unterricht ein. Welche Aufgaben ergeben Sinn, sind sinnstiftend? Welche sind Unsinn? Agostini spricht in diesem Zusammenhang von Finden, also einem Reiz, dem eine Reaktion erfolgt und dem Erfinden, der eigenverantwortlichen Konstruktion, in der Schülerinnen und Schüler selbstständige Gestalter sind, anstatt passive Konsumenten. Vorbereitete Lernumgebungen, wie zum Beispiel in der Montessori-Pädagogik, sind hier nicht immer von Vorteil.

Evi Agostini: Vieldeutigkeit hilft beim Lernen


Es gibt viele Möglichkeiten, Schülerinnen und Schülern Aufgaben zu stellen - doch nicht alle eignen sich gleich gut. Evi Agostini von der Uni Innsbruck will vor allem Aufgaben, die "Sinn stiften". Sinnstiftende Aufgaben lassen den Lernenden Freiräume bei den Antworten, es wird also durch die Frage nicht ein einziges bestimmtes Ergebnis herbeigeführt. Agostini sieht daher auch zu gut vorbereitete Lernumgebungen kritisch, beispielsweise pädagogische Materialien in der Montessori-Pädagogik: "Jedes Material möchte im Grunde nur eine bestimmte, erwartbare Reaktion hervorrufen", so Agostini.

Tanja Westfall-Geiter: Das Potenzial des Übens


Es gibt sie: Die Kinder die immer üben, üben, üben und trotzdem keine Erfolge feiern können. Woran liegt das?

Was macht eine gute Übung aus? Wann macht üben Sinn? Für Tanja Westfall-Greiter, Leiterin des Bundeszentrums für Lernende Schulen, gibt es einen großen Unterschied zwischen schulischem Lernen und Praktizieren. Seit inzwischen neun Jahren forscht sie an diesem Thema, erstmals präsentierte sie ihre Ergebnisse.

Tanja Westfall-Greiter: "Es geht um das RICHTIGE Üben"


"Fleiß ist gut, aber Fleiß führt nicht immer zum Erfolg. Es braucht auch andere Dinge." Tanja Westfall-Greiter, Leiterin des Zentrums für lernende Schulen, spricht da unter anderem von der richtigen Aufgabenstellung. Klassisches Beispiel: Das Erlernen einer Fremdsprache: "Vokabel lernen ohne Kontext - das geht nie auf. Dieses Vokabular wird mir nie zur Verfügung stehen, wenn ich in der Handlungssituation bin."

Im Interview erklärt sie uns weiter den großen Unterschied zwischen Üben und Praktizieren. Ein spannendes Gespräch, sehen Sie selbst!

Kompetenz erwächst aus Leidenschaft - Philip Streit


Dr. Philip Streit ist Gesundheitspsychologe und Vorstand des Institutes für Kind, Jugend und Familie in Graz. In seinem Vortrag geht der Psychotherapeut anhand von Beispielen aus seinem Arbeitsalltag auf die Bildung von Kompetenzen ein. Für ihn ist es wichtig zu betonen, dass man sich vor der Pubertät nicht fürchten soll. Sie sei vielmehr „ein wichtiger Prozess, der nicht negativ ist“ und sollte von allen Seiten unterstützt sein. Damit sich Kompetenzen entwickeln können, braucht es auch die Leidenschaft. Laut Dr. Streit schlummern die Leidenschaften nicht in uns, sondern wir kommen langsam darauf, was uns Leidenschaft bringt. Anhand von drei Modellen aus der Psychologie erklärt der Psychotherapeut, welche Mechanismen es braucht, unsere Leidenschaften und Kompetenzen zu entwickeln und sie auch zu fördern.

Kompetenz aus Leidenschaft – Interview mit Philip Streit


Dr. Philip Streit ist Gesundheitspsychologe und Vorstand des Institutes für Kind, Jugend und Familie in Graz. In seiner Keynote beim NMS Symposium im August 2017 ist er auf den Zusammenhang zwischen Kompetenz und Leidenschaft eingegangen. Für ihn als Psychologen ist es ein wichtiger Prozess, sich Leidenschaften anzueignen oder zu entdecken. Denn, wer mit Leidenschaft bei einer Sache ist, der macht das auch mit sehr viel Kompetenz. Auf den Bereich Schule bezogen ist es nicht nur wichtig, einen leidenschaftlichen Schüler zu haben, es braucht auch eine Lehrkraft, die mit Leidenschaft bei der Sache ist.

Renate Girmes: Lust auf Bildung durch Aufgaben, die sich wirklich stellen


Die Erziehungswissenschafterin Univ. Prof. Dr. Renate Girmes geht in ihrem Vortrag auf die Bedeutung der Aufgabenstellungen in Schulen. Sie sieht die Aufgaben weniger als Werkzeug, sondern mehr als Philosophie und Haltung. Durch die richtige Aufgabenstellung kann laut Girmes "die Lust auf Bildung wieder hergestellt werden oder erhalten werden".

Zur Person: Lehrstuhl für Allgemeine Didaktik und Theorie der Schule und Studiengangsleitung „Kulturwissenschaft. Wissensmanagement. Logistik: Cultural Engineering“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Otto‐von‐Guericke‐Universität Magdeburg. Mitglied des Erziehungswissenschaftlichen Fakultätentages; Mitwirkung in den Kommissionen "Schulpädagogik/ Didaktik" und "Bildung‐ und Erziehungsphilosophie" der DGfE ; Mitherausgabe der Reihe: Pädagogische Beiträge zur sozialen und kulturellen Entwicklung.

Renate Girmes: Aufgaben werden dann bedeutsam, wenn Handlungsbedarf besteht


Univ.-Prof. Dr. Renate Girmes referierte beim NMS-Symposium in St. Johann im Pongau zum Thema Aufgabenstellungen, die Lust auf Bildung machen sollen. Im Interview erzählte uns Renate Girmes, unter welchen Aspekten Aufgaben bedeutsam werden, was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler ständig mit "schlechten" Aufgaben konfrontiert sind und welchen Einfluss ihre Art der Aufgabenstellung auf die Kompetenzorientierung hat. Zudem plädiert sie, die Lehrpläne zu verändern und zu optimieren.

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