Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft?

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Beim Symposium "Bildung zum Miteinader" am 09. März 2017 im Bildungshaus Schloss Puchberg diskutierten Referenten aus unterschiedlichen Bereichen über aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft, Schule, Politik und Wissenschaft. Organisiert wurde das Symposium von der Pädagogischen Hochschule OÖ.

Zentrale Themen waren Hasspostings & Mobbing im Internet, Migration, gemeinsame Ziele einer Gesellschaft aber auch unsere Vergangenheit. Wir haben die Vorträge der fünf Referenten in voller Länge für Sie aufgezeichnet.

Mag. (FH) Ingrid Brodnig: „Der Ton online ist rauer“


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Die Journalistin und Schriftstellerin Ingrid Brodnig beschäftigt sich in ihrem Buch „Hass im Netz“ mit der Debattenkultur im Internet. In ihrem Vortrag betonte sie, dass der Umgangston online rauer sei - das habe unterschiedliche Gründe. Zum einen ist Empathie etwas körperliches, (körperliche) Reaktionen sind aber im Netz nicht sichtbar bzw. besteht meistens kein Augenkontakt. Und zum anderen schenken wir Aggression besonders viel Aufmerksamkeit. Postings mit Schimpfworten bekommen viele Likes bzw. wird mehr darauf reagiert. Aufgrund von Algorithmen erreichen Postings mit vielen Likes zudem mehr Menschen als Statements mit weniger Gefällt-mir-Angaben. Im Vortrag verrät Brodnig, was jeder Einzelne gegen Hasspostings und Mobbing im Netz tun kann.

Ingrid Brodnig über Falschmeldungen in Social Media


Ein derzeit aktuelles Thema sind Falschmeldungen, auch Fake News genannt, in Sozialen Medien. Ingrid Brodnig verrät uns, wie man Gerüchte von Fakten unterscheiden kann und warum sich solche Falschmeldungen so hartnäckig im Internet halten. Außerdem sprechen wir mit ihr über die vom Bildungsministerium geplante Digitalisierungsstrategie für Schulen, die unter anderem Medienbildung ab der Volksschule vorsieht.

Dr. Simon Burtscher-Mathis: Vielfalt als Chance


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Der Soziologe Simon Burtscher-Mathis beobachtet derzeit eine Zunahme von Vielfalt und gleichzeitig eine Zunahme von sozialer Ungleichheit, gerade auch in Schulen. Sein Lösungsvorschlag wäre es, Begegnung zu ermöglichen. Bildungseinrichtungen sollen, zum Beispiel bei diversen Projekten, zum Begegnungsort werden. Ausgangspunkt sind Bedürfnisse, die Begegnungen ermöglichen. In seinem Vortrag bringt Burtscher-Mathis dazu praktische Beispele aus sogenannten Brennpunkt-Kindergärten und -Schulen.

Mag. Julya Rabinowich liest aus ihrer Kolumne


Die Schriftstellerin, Malerin und Dolmetscherin Julya Rabinowich las beim Symposium „Bildung zum Miteinander“ Texte aus ihrer Standard-Kolumne „Geschüttelt, nicht gerührt“. Thematisch bezogen sich die Texte hauptsächlich auf die Bereiche Migration, Flucht und Mehrsprachigkeit. Rabinowich, die in den 1970er Jahren mit ihren Eltern selbst aus der Sowjetunion nach Österreich geflohen ist, gibt nachdenklich und zum Teil auch humorvoll Einblicke in ihre Gedankenwelt.

Dr. Markus Schlagnitweit: Der Mensch braucht Ziele


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Markus Schlagnitweit ist Priester, Seelsorger der Diözese Linz und leidenschaftlicher Geher. Die Redewendung „Der Weg ist das Ziel“ gilt für ihn nicht. Er erzählt in seinem Vortrag: „Die Touren, die ich ohne konkretes Ziel gehen wollte, habe ich alle immer frühzeitig abbrechen müssen“. Er ist der Meinung, dass sich der Mensch Ziele stecken muss. Aber nicht nur jeder einzelne für sich, sondern auch die Gesellschaft braucht gemeinsame Ziele. Und die sind derzeit nicht so klar.

Dr. Helmut Konrad: Was lernen wir aus der Geschichte


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Der Historiker Dr. Helmut Konrad beginnt seinen Vortrag mit einem Zitat von Ingeborg Bachmann „Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“. Heißt das, dass wir nicht aus der Vergangenheit lernen? Konrad nennt vier Komponenten, die zum Zerfall der Demokratie im 20. Jahrhundert beigetragen haben: 1. Nicht gefestigte Strukturen, 2. Ökonomische Schwierigkeiten, 3. Ansteigende Gewaltbereitschaft und 4. Verunsicherte Männeridentitäten - und zieht dabei Parallelen zum 21. Jahrhundert.

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