Offene Geheimnisse beim Internetsurfen

Bild: Thinkstock
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Es ist schon ein starkes Stück, das da in Deutschland vor kurzem geliefert wurde. Verdeckt agierende Journalisten gaben sich als Start-Up Unternehmer aus, um bei Datensammlern Informationen einzuholen. Dabei wurde deutlich mehr entdeckt, als man anfangs vermutet hat.

Angefangen haben die Reporter damit, sich als neues Unternehmen im "Big-Data-Geschäft" auszugeben. Daraufhin meldeten sich gleich mehrere Unternehmen, die Daten über das Surfverhalten von deutschen Nutzern zum Verkauf anbieten. Eines dieser Unternehmen hat den Journalisten dabei kostenlos eine "kleine Kostprobe" angeboten, die das Surfverhalten von etwa drei Millionen Personen im Monat August beinhaltete. An diesem Punkt öffnete sich dann aber plötzlich die Büchse der Pandora. Sehr schnell wurde nämlich klar, dass die Daten dabei beiweiten nicht so anonymisiert sind, wie das bei Datensammlern immer angepriesen wird. Ganz im Gegenteil. Relativ schnell und einfach ließen sich intimste Details aus der Datensammlung eindeutig Personen zuordnen. Dabei ging es beispielsweise um Details zu polizeilichen Ermittlungen, interne Umsatzzahlen von Unternehmen, Suchanfragen zu Krankheiten oder Drogen, ja sogar die Zugangsdaten zu einem Cloud-Speicher eines Unternehmers, welcher Kontoauszüge, Personalausweise und Gehaltsabrechnungen beinhaltet hat.


Realistisch gesehen sind diese Enthüllungen an Brisanz kaum zu überbieten. Man hat zwar schon länger befürchtet, dass die Anonymisierung von Daten bei weiten nicht so sauber durchgeführt wird, wie es eigentlich sein soll - dass es aber zu solch massiven Auswüchsen kommt, schockiert schon sehr.

Einfache Lösungen?

Die Frage, die sich nach einer solchen Veröffentlichung jetzt natürlich sofort stellt, ist, ob es einfache Mittel und Wege gibt, um solche Missbrauchsszenarien zu vermeiden. Die Antwort ist dabei ganz einfach: Jein. Man kann schon etwas unternehmen, vieles davon ist sogar relativ einfach umzusetzen - ob es den perfekten Schutz gibt, kann aber nicht gesagt werden. Fest steht aber, dass man es Datensammlern zumindest etwas schwerer machen kann, wenn man ein paar einfache Tipps beachtet:

 

  1. Browser-Addons
    Für viele Browser gibt es mittlerweile praktische Addons, mit denen sich die Funktionalität erweitern lässt oder die einfach nur die Bedienung einfacher machen. Bei der Auswahl dieser Erweiterungen ist aber immer ein wenig Vorsicht notwendig. Einige davon protokollieren das Surfverhalten mit und übermitteln diese Daten dann an diverse Datensammler.

  2. Cookies
    Cookies sind ein wenig das schwarze Schaf der Datensicherheit. Fast alle Seiten verwenden sie, um festzustellen, was der User auf der eigenen Seite alles gemacht hat. Das hat oft durchaus seine Vorteile, da ich mich nicht jedes Mal einloggen muss oder generelle Seiteneinstellungen gespeichert werden können. Ich kann in allen Browsern die Verwendung von Cookies generell deaktivieren - jedoch funktionieren dann viele Internetseiten nicht mehr richtig. Anders sieht es aber bei "Cookies von Drittanbietern" aus. Diese kommen dann zum Einsatz, wenn Inhalte von Dritten auf Internetseiten eingebunden werden. Paradebeispiel: Facebook-Buttons auf irgendwelchen Seiten. Diese dienen sehr oft einzig und allein zur Datensammlerei und sollten deaktiviert werden. Die Funktionsweise einer Homepage wird dadurch meist nicht negativ beeinflusst. In regelmäßigen Abständen sollte man auch generell den Cookies-Speicher leeren, um Langzeitaufzeichnungen vorzubeugen.

  3. Anonymes Surfen
    Viele Browser bieten mittlerweile auch Optionen wie "Anonymes Surfen" oder einen "Inkognito-Modus" an. Aktiviert man einen solchen Modus, werden Cookies blockiert, Passwörter werden nicht gespeichert und es gelangen auch keine Daten in den Browsercache. Das Surfen wird dadurch zwar nicht komplett anonym - es wird aber deutlich schwieriger, Daten einer Person zuzuordnen.

  4. Do not Track
    Seit 2009 können Browser eine Art "Signal" an besuchte Webseiten schicken, das dem Server mitteilt, dass der User sein Surfverhalten nicht mitverfolgt haben will. An sich kann man diese Option immer setzen. Problem hierbei: ob sich eine Webseite daran hält oder nicht ist freiwillig. Es gilt jedoch: Hilfts nichts, so schadets nicht.

  5. Für Profis: IP-Adresse verbergen
    Mittels VPN-Programmen oder dem Anonymisierungs-Tool TOR kann man seine eigene IP-Adresse sehr effektiv verschleiern. Dadurch wird natürlich auch das Nachverfolgen des Surfverhaltens entsprechend erschwert. Bei diesen Tools muss man allerdings schon wissen, was man tut. Für Anfänger sind diese eher nicht geeignet.

  6. Entfernen sie das Addon WOT aus Firefox!!!
    Wenn Sie bei den Suchanbietern Ihres Firefox-Browsers den Eintrag WOT (Web of Trust) finden, löschen Sie diesen unbedingt raus. Das ist eine Datenschleuder par excellance!

 

 

Fazit

Den uneingeschränkten und perfekten Schutz gibts für Daten im Internet nicht. Wird es wohl auch nie geben. Irgendwo bleiben immer unweigerlich Daten zurück. Mit ein paar einfachen Mitteln kann man aber dafür sorgen, dass es nicht mehr so einfach wird, das Surfverhalten auf die einzelne Person zurückzuverfolgen.