Evaluierung der Neuen Mittelschule

(c) Thinkstock/Fuse
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Im Herbst 2012 wurde die Neue Mittelschule (NMS) als Regelschule eingeführt und soll bis 2015/16 alle Hauptschulen in Österreich ersetzten. Diese neue Schulform brachte viele Erwartungen mit sich. Jetzt liegen erstmals Evaluierungsergebnisse vor.

Durchwachsene Bilanz

Die Evaluierungsergebnisse zeigen, dass einige Erwartungen erfüllt wurden, maches aber noch verbesserungsfähig ist. Positiv zu verzeichnen sei, dass in den ersten Jahrgängen eine Verbesserung des Unterrichts und Gewalt an Schulen rückgängig ist. In der NMS kann somit von einer verbesserten Lernumwelt gesprochen werden. Diese "wirkt sich jedoch nicht durchgehend und nicht konsistent in verbesserten Leistungen bzw. Zuwächsen im fachlichen und überfachlichen Bereich aus", meint Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder im Evaluationsbericht. Die Wirkung von Geschlecht, familiärer Herkunft und dem unterschiedlichen Leistungspotential unterscheidet nicht wesentlich von jener in der Hauptschule. Jedoch kann es "für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund [...] ein kleiner Vorteil sein, eine NMS zu besuchen", so Eder.

NMS-Konzept oft nur unzureichend umgesetzt

Die Evaluierung bezieht sich auf die Anfangsjahrgänge der NMS. Zu diesem Zeitpunkt seien Lehrkräfte zwar sehr engagiert gewesen, jedoch habe es noch einen "Mangel an wissenschaftlich abgesichertem Wissen und an praktikablen Konzepten gegeben". Aus diesem Grund sei auch bei der Hälfte der Standorte das Konzept nur unzureichend umgesetzt worden. Schulen mit motivierter Schulleitung und Lehrerkollegium erhalten dementsprechend auch gute Ergebnisse. 20,4% der Schulen haben mit den vorbildhaften "Modellklassen" das Konzept gänzlich umgesetzt. Weniger intensiv wurden "Plusklassen" (26%) verwirklicht, die breite Masse sind "Normalklassen" (31,6%), die Teamteaching oder eine Öffnung des Unterrichts mit Betonung auf autonomes Lernen - Wesensmerkmale der NMS - bestenfalls durchschnittlich umgesetzt haben. Zudem gibt es noch sogenannte "Traditionsklassen", diese gehören zwar einer NMS an, haben aber von deren Konzept nichts umgesetzt.

Konkurrenz zu etablierten Schulformen

Eine Tatsache, die es der NMS nicht unbedingt einfach macht ist, dass sie "nicht als Ersatz, sondern in Konkurenz zu etablierten Schulformen eingeführt und - wie sich zeigt - sozial selektiv ausgewählt wurde", so die Autoren. Unter solchen Bedingungen kann auch "eine sozial und mit Blick auf Bildungsvoraussetzungen ausgegwogen durchmischte Schülerschaft" nicht erreicht werden.

Ergebnisse der NMS-Evaluation

Die Vollversion des NMS-Evaluationsberichts, Kurzfassung und Präsentation stehen auf den Webseiten des Ministeriums und des BIFIE kostenlos zum Download zur Verfügung. 
Pressemitteilung des BMBF


Gute Schule. Neue Mittelschule.

NMSvernetzung hat zum Thema "Neue Mittelschule" mehrere Publikationen veröffentlicht, beispielsweise aktuell Gute Schule. Neue Mittelschule. Alle weiteren finden sie HIER.

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