Mehr als 800 Pädagoginnen und Pädagogen bei NMS-Symposien

Migration, Mehrsprachigkeit und Diversität in der Schule - das waren die zentralen Themen der vier Symposien der Neuen Mittelschule im Sommer 2016. Mehr als 800 Pädagogen nahmen daran teil, um sich zu vernetzen, sich auszutauschen und sich weiterzubilden.

Wir waren an drei der vier Veranstaltungen vor Ort - haben uns Rückmeldungen der Pädagoginnen und Pädagogen eingeholt, über das was in den Neuen Mittelschulen bereits gut läuft und wo noch Verbesserungsbedarf besteht, haben die Keynotes aufgezeichnet und mit der Bildungsministerin Dr. Sonja Hammerschmid gesprochen. (Die Keynote + anschließende Diskussion von Frau Dr. Barbara Herzog-Punzenberger werden in Kürze nachgereicht)

NMS-Sommersymposien 2016: Migration, Mehrsprachigkeit, Diversität


Sonja Hammerschmid: "Ich hoffe, dass in 20 Jahren Bildung nicht mehr vererbt wird"


Wir sprachen mit Unterrichtsministerin Dr. Sonja Hammerschmid über die Bedeutung und Umsetzung der Neuen Mittelschule sowie über die Probleme, wie beispielsweise die siebenstufige Leistungsbeurteilung. Auf die Frage, worauf sie in 20 Jahren nach ihrer Amtszeit zurückblicken möchte, hatte die Ministerin eine klare Antwort: "Ich hoffe, dass in 20 Jahren Bildung nicht mehr vererbt wird!"

Was hat sich mit der Neuen Mittelschule (NMS) verändert?


Die Umstellung von Hauptschule auf Neue Mittelschule ist vollzogen - wir wollten von Lehrkräften der NMS wissen, was sich in dieser Zeit verändert hat. "Wir sind viel näher an den Kindern dran", sagt zum Beispiel der Pädagoge Georg Henger von der ESM Mödling. "Unterschiedliche Kulturen sind zusammen gekommen, sind aufeinander getroffen und haben gegenseitig voneinander gelernt und haben sich zu einem gemeinsamen Lehrkörper entwickelt", erläutert Günther Schüttengruber von der NMS 17 die gelungene Zusammenarbeit mit der HAK Linz. Für Eva Hiegesberger von der NNöMS St. Pölten Dr. Th. Körner 3 sind die Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräche die beste Veränderung, da so 99% der Eltern erreicht werden. Mehr Feedback zur NMS gibts im Video.

Was waren die Highlights im Schuljahr 2015/16 in der Neuen Mittelschule?


Worauf schauen Lehrkräfte gerne zurück? Was waren die schönsten Momente im Schuljahr 2015/16? Für Georg Henger war es folgender Film, der mit einer Projektklasse entstanden ist:

https://www.youtube.com/watch?v=0hobkqpJC1o

Was die anderen Lehrkräfte bewegt und begeistert hat, erfahren Sie im Video!

Was sind die großen Herausforderungen der Neuen Mittelschule (NMS)?


Wo treten im Zuge der Umstellung von Hauptschule auf NMS in der Praxis noch Probleme auf? "Mit einigen Dingen sind wir nicht zufrieden, zum Beispiel mit der Leistungsbeurteilung", so Franz Eder von der NMS Groß-Siegharts. An seiner Schule gibt es immer wieder Probleme, diese 7-teilige Notenskala den Eltern zu vermitteln. Den hohen administrativen Aufwand, der manchmal kaum zu bewältigen sei, sieht der Schulleiter der NMS 17 Linz Günther Schüttengruber als derzeit größtes Problem. Wo es sonst noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, erfahren Sie im Video.

Dr. Beate Wischer: Kann Schule jedem gerecht werden?


Dr. Beate Wischer von der Uni Osnabrück untersucht am Beispiel der Laborschule Bielefeld, ob eine Schule, die allen Kindern gerecht wird, möglich ist und wenn ja, mit welchen Maßnahmen? Die Laborschule Bielefeld gibt es nun seit mehr als 40 Jahren und sie kann durchaus als sehr erfolgreich bezeichnet werden, was die Zufriedenheit und Leistungen der Schüler, das Engagement der Lehrkräfte oder die Unterrichtskonzepte betrifft. Die Schule hat aber auch bessere Voraussetzungen - kleinere Klassen, Verzicht auf Noten bis zum 9. Jahrgang, engagierte und reformorientierte Lehrkräfte und eine eher privilegierte Schülerschaft.

Will eine Schule allen Schülern gerecht werden, dann erfordert dies einen hohen Grad an Differenzierung, was aber sehr komplex ist und was oft an den Kapazitäten scheitert. Grundsatzfragen sind unter anderem: Welche Unterschiede sind bedeutsam? Wie soll mit diesen Unterschieden umgegangen werden? Was soll erreicht werden? Wie kann Diversität in der Schule organisiert werden? Wischer zeigt in Ihrem Vortrag, welche Probleme bei der Differenzierung auftreten können und stellt zur Diskussion, ob sie überhaupt sinnvoll ist bzw. bis zu welchem Grad.

Diskussionsrunde mit Dr. Beate Wischer: Kann Schule jedem gerecht werden?


Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Beate Wischer zum Thema "Kann Schule jedem gerecht werden", hatte das Publikum noch die Möglichkeit mit der Referentin zu diskutieren. Angesprochen wurden unter anderem die Bedeutung der wissenschaftlichen Begleitung von außen und die Probleme mit dem Begriff der Vielfalt und deren Umsetzung im Schulbetrieb.

Dr. Frank-Olaf Radtke: Institutionelle Diskriminierung


Institutionelle Diskriminierung betrifft auch das System Schule. Betroffen sind in den letzen Jahren vor allem Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Diese ungerechte Behandlung kann die Schullaufbahn und das spätere Berufsleben massiv beeinflussen. Auf welcher Basis werden Entscheidungen wie Schulreife, Gymnasialreife oder Sonderschule gefällt? Diesen Entscheidungen geht der Erziehungswissenschafter Dr. Frank-Olaf Radtke auf den Grund und rät Schulen, ihre tägliche Praxis zu hinterfragen und zu reflektieren. Nur dies kann einen Prozess der Veränderung herbeiführen.

Interview mit Dr. Frank-Olaf Radtke: Diskriminierung aus Gewohnheit?


Wir sprachen mit dem Erziehungswissenschafter Frank-Olaf Radtke über das Problem der "Institutionellen Diskriminierung" - in unserem Fall auf das System Schule bezogen. Radtke erläuterte uns den Begriff und was man genau darunter versteht und zeigte Lösungswege auf. Ein Kennzeichen dieser Form der Diskriminierung ist, dass es oftmals keine bewussten Diskriminierungen seitens Lehrkräften oder Schulleitern sind, sondern die Gewohnheit an Schulen, weil es, laut Radtke, halt immer schon so gemacht wurde. Hier müssen Schulen einen Prozess starten, um diese Gewohnheiten zu hinterfragen und aufzudecken. "So einfach ist es eben nicht, weil man nicht gerne über Sachen redet, die man für selbstverständlich hält", so Radtke.

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