Studie: Sozialer Hintergrund entscheidet über Bildungskarriere

(c) Thinkstock/Valueline
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Der soziale Hintergrund hat eine wesentlich stärkere Auswirkung auf die Bildungskarriere als das Herkunftsland der Eltern. Dies macht die aktuelle Studie "Perspektiven Bildung" von August Gächter vom Wiener Zentrum für Soziale Innovation deutlich.

In Österreich unterscheidet sich - je nach Herkunft der Eltern - die Bildungsbeteiligung teils stark. So haben sich im Schnitt knapp 93% der 15- bis 19-Jährigen mit österreichischen Eltern in den Jahren 2008 bis 2013 in formaler Ausbildung befunden, während es bei Jungendlichen aus der Türkei nur 67% waren.

Herkunft kaum ausschlaggebend

Ziel Gächters war es anhand der Untersuchung zu klären zu können, worauf diese Unterschiede zurückzuführen sind. So sind zwar bei einem Vergleich nach Herkunftsland der Eltern 26 Prozentpunkte Unterschied zwischen der Gruppe mit der geringsten Bildungsbeteiligung (Schüler mit Eltern aus der Türkei) und der Gruppe mit der höchsten (Schüler mit österreichischen Eltern) zu beobachten. Werden allerdings bestimmte Faktoren (unterschiedliche Geschlechterverteilung, Staatsangehörigkeit, Länge der Aufenthaltsdauer) herausgerechnet, sinkt der Unterschied bereits auf 21 Prozentpunkte. Noch deutlich kleiner wird der Abstand, wenn man berufliche und soziale Situation der Eltern sowie soziale und wirtschaftliche Situation des Haushalts berücksichtigt: Nur noch fünf Prozentpunkte können dann auf die Herkunft der Eltern zurückgeführt werden.

Rolle des Bildungssystems ambivalent

Laut Gächter würden bei gleichen sozialen und wirtschaftlichen Umständen nur noch "sehr kleine Differenzen" bei der Bildungsbeteiligung erhalten bleiben. Geht es nach ihm, müsste das Bildungssystem alles daran legen, eine Benachteiligung durch unterschiedliche Ausgangsbedingungen auszugleichen. Doch: "Das tut es sichtlich nicht. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sie sogar erst erzeugt." Denn es sei unklar, ob die unterschiedliche Bildungsbeteiligung durch die soziale und ökonomische Situation per se zustande kommt oder durch die Reaktion des Umfelds und vor allem des Schulpersonals.

Unterschiede nach Herkunft bei höheren Schulen

Gächter untersuchte außerdem die Unterschiede nach Herkunftsländern bei Besuch von höheren Schulen (AHS, BHS). Hier ist, neben dem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund, der Wohnort (vor allem Wien oder nicht) ausschlaggebend. Trotzdem bleiben auch nach Eliminierung diverser Einflüsse noch immer 15 Prozentpunkte Unterschied zwischen dem Anteil an Schülern mit dem geringsten Anteil an Schülern in maturaführenden Schulen (Eltern aus Serbien, Kosovo und Montenegro) und dem höchsten (Schüler mit Eltern aus "sonstigen" Ländern, oft Flüchtlingskinder aus Afrika und Asien mit gut gebildeten Eltern - diese haben sogar höhere Werte als Kinder österreichischer Eltern).

Türkische Eltern selbstbewusster

Eine an Daten geprüfte Erklärung für diesen Abstand der Schüler mit serbischen, kosovarischen und montenegrinischen Wurzeln kann Gächter zwar nicht liefern, Thesen hat er allerdings. So könnte es daran liegen, dass deren Eltern mehr Gewicht auf manuelle Arbeit mit greifbaren Produkten legen und nicht denselben "Bildungsehrgeiz" hätten wie etwa Eltern aus der Türkei. Außerdem sei ihm von türkischen Müttern erzählt worden, dass sie ihr Kind auch ohne Empfehlung für das Gymnasium an einer AHS angemeldet haben. "Entgegen des Klischees ist die Autoritätsgläubigkeit, in diesem Fall gegenüber den Lehrkräften, bei ihnen nicht sehr ausgeprägt, bei der Bevölkerung aus dem ehemaligen Jugoslawien eher schon." Dazu komme, dass große Bildungsunterschiede den Zusammenhalt innerhalb der Familie gefährden können. Eltern aus der Türkei schienen da "risikofreudiger und selbstbewusster" zu agieren, so Gächter.

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