Total allergisch!

© Thinkstock/iStock/parinyabinsuk
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So schön die erwachende Natur, blühende Bäume und Sträucher - kurz: der Frühling - auch ist, damit ist auch unweigerlich die Allergiesaison eingeläutet. Derzeit fliegen uns die Pollen nur so um die Nase und die gewöhnlichsten Tätigkeiten werden für AllergikerInnen plötzlich zum Problem.

Die Zahl der Allergie-Erkrankungen nimmt weltweit zu. In Österreich litt im Jahr 2006 bereits jede 5. Person an einer Allergie (nach den Angaben des ersten Österreichischen Allergieberichts). Man hört von vielen Seiten, dass die Tendenz, an einer Allergie zu erkranken, steigt. Das kann auch die Wiener Allergieforscherin Ines Swoboda bestätigen. Zahlreiche Studien belegen, dass es immer mehr Allergien gibt. Laut den neuesten Daten der LEAD Studie (österr. Langzeitstudie zur Lungengesundheit) leiden inzwischen 37% der 6 bis 80-Jährigen in Wien und Niederösterreich an Allergien. Und von 2012 bis 2017 scheinen Allergien um 13% zugenommen zu haben (siehe Artikel über die LEAD Studie im Standard). Wobei zu beachten ist, dass früher die Möglichkeiten einer verlässlichen Diagnose noch nicht gegeben waren und deswegen auch weniger Allergien registriert wurden. Aber auch seit der verbesserten Allergie-Diagnose wurde ein weiterer Anstieg dieser Erkrankung registriert.

© Thinkstock/iStock/Dr_Microbe: Pollenkörner von verschiedenen Pflanzen

Was ist eine Allergie?

Bei Allergien handelt es sich um eine Überreaktion bestimmter Zellen im Körper. Dabei lösen normalerweise unschädliche Substanzen - wie beispielsweise Pollen von Birken und Gräsern, Nahrungsmittel wie Äpfel, Nüsse oder Milch, Haare und Schuppen von Katzen/Hunden oder Hausstaubmilben - eine Immunreaktion bei AllergikerInnen aus. Symptome wie eine laufende Nase, Niesreiz, tränende Augen oder juckende Haut sind die Folge. Das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen können dadurch massiv beeinträchtigt sein.

Eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen im menschlichen Körper spielen so genannte Mastzellen. Diese Zellen gehören der Gruppe der weißen Blutkörperchen an und sitzen im Gewebe des gesamten Körpers. Bei gesunden Individuen sind Mastzellen wichtig für die Wundheilung und für die Abwehr von Pathogenen. Beim Erstkontakt mit einem Allergen kommt es erst einmal zur „Sensibilisierung“ des Betroffenen. Dabei werden durch Interaktionen und Reaktionen verschiedener Zellen des Immunsystems IgE-Antikörper gebildet, die in weiterer Folge an Oberflächenrezeptoren der Mastzellen binden. Die Mastzellen werden in Alarmbereitschaft versetzt, es findet aber noch keine allergische Reaktion statt. Erst beim Folgekontakt können winzige Teilchen desselben Allergens an die Mastzellen binden. Diese werden so aktiviert und schütten Histamin und andere Botenstoffe ins Blut aus. Das Auftreten von allergischen Symptomen ist die Folge.

Warum werden Allergie-Erkrankungen immer mehr?

Man geht davon aus, dass mehrere Komponenten und Faktoren daran beteiligt sind. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung, aber auch zum Beispiel die steigende Umweltverschmutzung und veränderte Lebensgewohnheiten oder vermehrte Hygienemaßnahmen. In früheren Zeiten war unser Immunsystem durch die Notwendigkeit, unterschiedlichste Pathogene abzuwehren, viel mehr gefordert. Heutzutage ist unser Immunsystem aufgrund der verbesserten Hygienebedingungen sogar teilweise "unterfordert" - und sozusagen nicht in Übung. So reagiert es auch oft auf harmlose Stoffe. Darum gibt es beispielsweise auch vermehrt Autoimmunerkrankungen. Aber auch der Klimawandel und die damit einhergehende Veränderung der Pflanzenwelt und die Globalisierung des Lebensmittelmarktes hängen mit der Ausbreitung von Allergien zusammen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Nahrung. Nahrungsmittel, die wir heute zu uns nehmen, entsprechen oft nicht mehr der "natürlichen Nahrung". DurchschnittsbürgerInnen von heute konsumieren Fast Food und eine wahre Bombe an E-Nummern in diversen Nahrungsmitteln. Die Nahrung ist also vermehrt künstlich und auch die Art der Verarbeitung und Aufbereitung für den Handel ist anders. Man nimmt an, dass auch dies zu Allergien führen kann, es ist allerdings noch nicht bewiesen.

© Thinkstock/iStock/Jennlein: Allergene nach EU-Kennzeichnungspflicht

Sind Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten das gleiche?

Grundsätzlich muss man zwischen Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten unterscheiden, obwohl die Symptome (z.B. Jucken im Mund, Hautrötungen, Atembeschwerden,...) durchaus ähnlich sein können. Bei einer allergischen Reaktion ist immer das Immunsystem beteiligt. Es sind Antikörper involviert und der Botenstoff Histamin wird ausgeschüttet. Aber erst nach dem Zweit- bzw. Folgekontakt kommt es zu einer allergischen Reaktion. Vorher findet nur die sogenannte "Sensibilisierung" statt - das bedeutet, dass der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit laufen keine immunologischen Prozesse im Körper ab. Es ist vielmehr so, dass ein bestimmtes Enzym zu wenig vorhanden ist (z.B. bei der Laktose- oder Fruktoseintoleranz), und aufgrund dessen können Nahrungsmittel nicht gut verarbeitet und in kleinere Teile gespalten werden. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kann die Reaktion bereits beim ersten Kontakt mit dem Nahrungsmittel erfolgen. Die Zöliakie ist ein Spezialfall. Diese Erkrankung beruht auf einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Es ist eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, die sowohl Merkmale einer Allergie als auch einer Autoimmunerkrankung aufweist.


Spiele-App "Total allergisch": Spielerisch die Grundlagen zum Thema Allergien vermitteln

Open Science hat in Zusammenarbeit mit der Allergieforscherin FH-Prof. Univ. Doz. Dr. Ines Swoboda von der FH Campus Wien und den Entwicklern von Vienom eine eigene App zum Thema Allergien entwickelt. Das Spiel vermittelt auf unterhaltsame Weise wichtige Grundlagen, wie z.B. den Ablauf einer allergischen Reaktion, welche Rolle die Mastzellen dabei spielen, was man unter einer Kreuzreaktion versteht und wann der Histaminspiegel so richtig ansteigt.
Allergie-Andi soll den Allergieschub seines Lebens verpasst bekommen. Dafür müssen mit Geschick und Taktik die Mastzellen aktiviert werden, um bei ihm die Symptome einer allergischen Reaktion hervorzurufen. Mit jedem Level wird es kniffliger.

>> HIER GEHT`S ZUM SPIEL


Unterrichtsmaterialien zum kostenlosen Download

Für die Volksschule sowie für die Sekundarstufe I und II gibt es auf der Webseite von Open Science unter folgendem Link Foliensätze und Anregungen für den Unterricht zum kostenlosen Download:

www.openscience.or.at/allergencheck

Zwei Allergie-Stationen von Open Science bei Wanderausstellung

Open Science hat zwei Allergie-Stationen entwickelt, die bereits seit mehr als drei Jahren in ganz Österreich unterwegs sind. Aktueller Standort ist Waidhofen a/d Ybbs, ein weiterer Standort ist noch geplant. Alle Infos dazu finden Sie hier und unter www.wirkungswechsel.at


Open Science macht Lebenswissenschaften verständlich

Der gemeinnützige, wissenschaftliche Verein Open Science - Lebenswissenschaften im Dialog setzt sich dafür ein, Lebenswissenschaften verständlich, sichtbar und erlebbar zu machen. Er betreibt das Vienna Open Lab, bietet Materialien für eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung - pro Jahr werden etwa 2-3 neue Themen-Pakete erstellt - und unterstützt ForscherInnen in der Wissenschaftskommunikation.

Ein Interview mit der Allergieforscherin FH-Prof. Univ. Doz. Dr. Ines Swoboda von der FH Campus Wien zum Thema Fleisch- und Fischallergien ist im Hungry for Science Blog von Open Science nachzulesen.

Dieser Beitrag wurde in Kooperation mit Open Science - Lebenswissenschaften im Dialog erstellt.