Warum Fair Trade in der Schule?

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√úber 80% der √ĖsterreicherInnen halten es f√ľr wichtig, der Bev√∂lkerung in sogenannten Entwicklungsl√§ndern zu helfen und sehen die Bek√§mpfung der Armut im Globalen S√ľden als moralische Pflicht.

Florian Ablöscher

35% treffen auch beim Einkauf von Nahrungsmitteln und Bekleidung ethische Entscheidungen (laut Eurobarometer 2016). Diese Zahlen spiegeln nicht nur das vorhandene Wissen √ľber globale Ungerechtigkeiten wider, sondern zeigen auch, dass sich die √∂sterreichische Bev√∂lkerung f√ľr eine bessere Welt einsetzt.

Wie kann man jedoch bereits Kindern und Jugendlichen den Fairen Handel n√§her bringen? Wir haben mit Florian Abl√∂scher von FAIRTRADE √Ėsterreich (Kampagnenleiter FAIRTRADE-Schools und Lehrer f√ľr wirtschaftliche F√§cher) gesprochen!

Bild: James Rodriguez

SCHULE.AT: Herr Abl√∂scher, was bedeutet "Fairer Handel" und was ist die Aufgabe von FAIRTRADE √Ėsterreich?

Florian Abl√∂scher: Vor 25 Jahren entstand aus dem Engagement zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen wie der Caritas, den Weltl√§den oder der PRO-GE der gemeinn√ľtzige Verein FAIRTRADE √Ėsterreich. FAIRTRADE √Ėsterreich zertifiziert einerseits Produkte, die nach FAIRTRADE-Standards produziert und gehandelt wurden und f√∂rdert andererseits das Bewusstsein f√ľr die n√∂tige Solidarit√§t mit kleinb√§uerlichen Familien und PlantagenarbeiterInnen im Globalen S√ľden. 

SCHULE.AT: Welche Produkte sind wesentliche FAIRTRADE-Produkte?

Abl√∂scher: Das FAIRTRADE-Siegel gibt es ausschlie√ülich f√ľr Produkte aus dem Globalen S√ľden, wo f√ľr schwere Arbeit oft ein zu geringer Preis bezahlt wird. Das ist zB bei Kaffee, Kakao, Bananen aber auch Baumwolle der Fall.

SCHULE.AT: Das Thema Nachhaltigkeit wird ja in den Lehrplänen gefordert. Wie kann man nun konkret soziale Verantwortung und ethische Fragen in der Schule anhand von Fair Trade umsetzen?

Abl√∂scher: Der Faire Handel ist eine hervorragende M√∂glichkeit, globale Zusammenh√§nge zu analysieren, Ungerechtigkeiten zu erkennen und Handlungsm√∂glichkeiten zu diskutieren. Das zeigen beispielsweise die ca. 40 ausgezeichneten FAIRTRADE-Schools in √Ėsterreich. Hier werden Fair-Trade relevante Themen im Unterricht behandelt und Aktionen zum fairen Handel von Sch√ľlerInnen geplant und durchgef√ľhrt. Auch wenn Schulen keine Orte des Konsums sein sollen, bieten sie zahlreiche M√∂glichkeiten f√ľr faire Beschaffung. So zieren immer √∂fters Automaten mit fairen Produkten die G√§nge, Sportb√§lle mit FAIRTRADE-Siegel werden im Turnsaal verwendet und G√§ste von Schulveranstaltungen mit fairen Cocktails verw√∂hnt. Wie Schulen Schritt-f√ľr-Schritt zur Auszeichnung gelangen, ist unter www.fairtrade-schools.at zu lesen. Hier findet sich auch der FAIRTRADE-Schools-Blog, der √ľber 250 Beitr√§ge von Schulen zu deren FAIRTRADE-Aktivit√§ten beinhaltet.

Bild: √Čric St-Pierre

SCHULE.AT: Wo erhalten Schulen Unterst√ľtzung bei der Umsetzung?

Abl√∂scher: Die M√∂glichkeiten, den Fairen Handel in die Schule zu holen, sind vielf√§ltig und zahlreiche Organisationen in √Ėsterreich unterst√ľtzen Schulen bei der Umsetzung. So bieten S√ľdwind, FAIRTRADE √Ėsterreich, das Klimab√ľndnis und Jugend eine Welt Workshops und Wanderausstellungen an, der Onlinekatalog von Baobab macht das Finden und Beziehen von Unterrichtsmaterialien einfach und die Weltl√§den stellen mit den Fair-Trade-Points eine praktische M√∂glichkeit, aktiv zu werden.

2013 wurde auch die Kampagne FAIRTRADE-Schools gestartet. Mittels kostenloser Workshops, Unterst√ľtzung bei Projektarbeiten, Infomaterialien und der Auszeichnung von Schulen zu FAIRTRADE-Schools wird globale Fairness st√§rker ins Zentrum ger√ľckt. 

Diese Angebote sind in Einklang mit der Strategie f√ľr Globales Lernen des BMBF
und der Global Citizenship Education der UNO. Ziel ist es, junge Menschen mit globalen Herausforderungen zu konfrontieren, sie zu eigenst√§ndigem Denken anzuregen und M√∂glichkeiten zur Mitgestaltung der Zukunft zu erarbeiten. In dieselbe Kerbe schlagen auch BNE - Bildung f√ľr Nachhaltige Entwicklung -  und die SDGs, die Sustainable Development Goals der UNO. Diese r√ľcken zentrale Fragen der Menschheit in den Fokus, fordern globales Denken sowie lokales Handeln und benennen dringende Herausforderungen wie Armut, Klimaschutz, Gleichberechtigung oder nachhaltigen Konsum. Diese, nun vermehrt von der Politik forcierten Themen, werden von den Bildungswissenschaften sp√§testens seit Wolfgang Klafkis "epochalen Aufgaben", die laut Klafki den Kern der Allgemeinbildung darstellen, gefordert.

SCHULE.AT: Wie wird man eigentlich FAIRTRADE-Schule und welche Vorteile hat man dadurch?

Abl√∂scher: Diese Auszeichnung geht an jene Schulen, die den Fairen Handel im Schulalltag lebendig machen. So muss in mindestens zwei F√§chern dar√ľber gesprochen werden, Produkte mit FAIRTRADE-Siegel sollen an der Schule verwendet werden und eine Aktion zum fairen Handel muss umgesetzt werden. Besonders freut es uns, wenn diese Aktivit√§ten im FAIRTRADE-Schools-Blog pr√§sentiert werden! So kann ein vielf√§ltiger Ideenpool entstehen. 

SCHULE.AT: Gibt es noch etwas, was zu diesem Thema abschließend gesagt werden muss?

Abl√∂scher: Kinder und Jugendliche sollen nicht die Last der globalen Herausforderungen tragen m√ľssen. Vielmehr haben sie jedoch das Recht, diese zu analysieren, eigene L√∂sungsm√∂glichkeiten zu erarbeiten und √Ąnderungen einzufordern. Schulischer Unterricht kann all das erm√∂glichen und dadurch Sch√ľlerInnen zu selbstbewusstem und solidarischem Handeln ermutigen.

SCHULE.AT: Vielen Dank f√ľr das Gespr√§ch!