Stress, Leistungsdruck, Überforderung - was tun?

Am 15. März veranstaltete das Institut Suchtprävention in Kooperation mit dem Verein I.S.I. die Jugendtagung 2016. Thema war "Under Pressure - Jugend unter Druck. Ziel der Tagung war es, Bewältigungsstrategien aufzuzeigen und welchen Beitrag die Jugendarbeit dabei leisten kann.

Jugendtagung 2016: Under pressure - Jugend unter Druck


"Wir haben das Thema "Jugend unter Druck" gewählt, weil Jugendliche zunehmend, nach den Befunden die wir haben, unter Stress, unter Leistungsdruck, unter Überforderung aber auch unter psychischen Belastungen leiden", so Herbert Baumgartner vom Institut Suchtprävention. Streetworker bzw. Jugendarbeiter sowie (Sozial-)Pädagogen waren zur Tagung an die FH Linz eingeladen und konnten sich in insgesamt sechs Vorträgen theoretische Inputs für den täglichen Arbeitsalltag holen. Wichtig sei es auf alle Fälle, der Jugend ihre Jugend wieder zu ermöglichen und ihnen den Raum für ihre Erfahrungen zu lassen.

Roland Müller: Vom übertriebenen Körperkult in die Abhängigkeit


Was die Magersucht bei Mädchen ist, das ist die Fitnesssucht bei jungen Männern - übertriebener Körperkult kann zu sozialen Eingrenzungen, Vernachlässigung des Berufs bis hin zu Depression und Angst- und Essstörungen führen. Hand in Hand geht zudem oft der Medikamentenmissbrauch der zu einer Abhängigkeit führen kann. Betroffene Jugendliche oder Männer schaffen kaum einen Ausstieg, wenn dann nur mit professioneller Hilfe. "Wer wirklich im Substanzkonsum drinnen ist, das ist häufig wie Beton, da kommen sie selten dagegen an", so der Fachpsychologe für Psychotherapie Roland Müller.

Lothar Böhnisch: "Es gibt nicht DIE Jugend"


Der Sozialpädagoge Dr. Lothar Böhnisch spricht im Interview von zwei Gruppen von Jugendlichen. Jene, die sich in die Erwachsenenwelt schon einlebt und jene, die Probleme hat und wenig gehört wird. Diese zweite Gruppe müsse verstärkt in den Blickpunkt gerückt werden, ihr Räume und Möglichkeiten geboten werden. Hier nimmt die Jugendarbeit laut Böhnisch eine wichtige Rolle ein. "Damit Sie die Chance haben auf sich aufmerksam zu machen, auch Anerkennung zu kriegen für Dinge, die sonst nicht als öffentliche Leistungen anerkannt werden, die aber sehr viele Kompetenzen bei den Jugendlichen vermuten lassen", so der Sozialpädagoge im Interview.

Roland Müller: Körperkult und Fitnesssucht bei jugendlichen Männern


Muskeldysmorphie bzw. Muskelsucht oder Bigorexia ist eine Störung des Selbstbilds, die vorwiegend bei Männern auftritt - es handelt sich um eine Störung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und kann als Folge von übertriebenem Körperkult bzw. übertriebener Fitnesssucht auftreten. Kernsymptome sind laut dem Fachpsychologen für Psychotherapie Roland Müller die starke Beschäftigung bezügl. zu geringer Muskelmasse und/oder zu hohem Körperfettanteil bei:

 

- Wahrnehmungsstörungen (sich im Spiegel zu dünn und zu fett sehen)

- Verzerrten Kognitionen bezüglich körperlicher Mängel

- Emotionaler Beeinträchtigung (negative Gefühle, bei Störung der Trainings- und Ernährungsroutinen)

- Exzessives Body Checking, Vermeidungsverhalten, Steroidmissbrauch, Vernachlässigen sozialer und beruflicher Verpflichtungen

 

Roland Müller versucht den Ursachen dieser Störung, dessen Ursprung oft in der Pubertät liegt, auf den Grund zu gehen. Zudem stellt er das Projekt Bodytalk PEP vor (http://www.pepinfo.ch/), dass den vernünftigen Umgang mit dem eigenen Körper in den Fokus stellt.

Raphaela Banzer: Psychosoziale Problematiken österreichischer Jugendlicher


Mag. Raphaela Banzer, von der Suchthilfeeinrichtung B.I.N. (Beratung, Information, Nachsorge) beschäftigt sich in ihrem Vortrag mit den psychosozialen Problematiken österreichischer Jugendlicher anhand der SEYLA-Studie (Safe and Empower Young Lives in Austria). Hier wurden Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 15 und 18 Jahren über ihr psychisches Wohlbefinden, Risikoverhalten und psychosoziale Problematiken befragt. Wir haben einige Ergenbisse herausgegriffen, die einen doch nachdenklich stimmen:

 

- 1/3 der Jugendlichen berichten über mindestens eine milde Depression

- 75 % machen sich häufig Sorgen

- 25 % haben sich bereits absichtlich selbst verletzt

- Das Gefühl des „Nicht Verstanden Werdens“ ist bei einigen Jugendlichen vorhanden

- Fast 1/3 der befragten Jugendlichen berichten über Gedanken an Suizid und 15% hatten bereits schon einmal konkrete Pläne zum Suizid.

Seifried Seyer: Neuroenhancement - Coping und Doping in Zeiten der Arbeitswelt 4.0


Wie ist die Entwicklung von Neuroenhancement (Einnahme von psychoaktiven Substanzen aller Art mit dem Ziel der geistigen Leistungssteigerung) wenn man die letzten Jahrzehnte betrachtet? Welche Schuld trägt die sogenannte Arbeitswelt 4.0? Was bedeutet dies für unsere Jugend?

 

In der Regel bezieht sich der Begriff Coping laut Mag. Seifried Seyer vom Institut Suchtprävention auf die Bewältigungsstrategien die eine Person anwendet, um mit verschiedenen Belastungen und Stressoren umzugehen. Das Hauptmerkmal des Dopings ist eine Leistungssteigerung über das normale Maß hinaus, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Wettbewerb konkurrenzfähiger zu machen.

Wolfgang Settertobulte: Substanzkonsum zwischen Belastung und Bewältigung


Alkohol, Cannabis, Tabak und Co erfüllen für Jugendliche wichtige Entwicklungsfunktionen. "Das Erleben von Rausch als Grenzüberschreitung des Normalzustandes gehört obligatorisch natürlich auch dazu", so der Psychologe und Soziologe Dr. Wolfgang Settertobulte. Ein weiterer Grund ist aber, das psychoaktive Substanzen zur Stress- , Gefühls- und Problembewältigung zu sich genommen werden. Dies trifft vor allem auf Jugendliche zu, die mit problematischen Lebenssituationen fertig werden müssen.

Lothar Böhnisch: Jugend ermöglichen


Dr. Lothar Böhnisch von der Freien Universität Bozen wirft in seinem Vortrag einen Blick auf die Jugend von heute. Böhnisch spricht vom Problem der "Entgrenzung der Jugend", das heißt, Kinder von heute haben keinen Raum mehr zum Experimentieren, Konflkte auszutragen und an Grenzen zu gehen - dieser Schutzraum ist weggebrochen bzw. existiert nur mehr für wenige Jugendliche. Verkürzte Pupertät, frühe Bildungskonkurrenz, Druck durch die Familie - all diese Punkte verhindern Jugend im Sinne von persönlicher Entfaltung.

 

Lothar Böhnisch fordert, Jugendlichen "die Jugend wieder zu ermöglichen" und sieht hier eine wichtige Funktion der Jugendarbeit.

Ihre Meinung