2010-07 Kulturwortschatz Europa: Plagiat II

Ein Plagiat: da denken wir an gestohlene literarische Texte und Popmelodien, an imitierte Markenuhren und –textilien und neuerdings noch an Diplom- und Doktorarbeiten, die ein Examenskandidat statt aus den Brüsten seiner Alma Mater dreist aus dem Internet herunterlädt. Ursprünglich deutete das W ...

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Ein Plagiat: da denken wir an gestohlene literarische Texte und Popmelodien, an imitierte Markenuhren und –textilien und neuerdings noch an Diplom- und Doktorarbeiten, die ein Examenskandidat statt aus den Brüsten seiner Alma Mater dreist aus dem Internet herunterlädt. Ursprünglich deutete das Wort auf unvergleichlich Übleres, auf Menschenraub und Menschenhandel, Piraterie und Geiselnahme. Hinter dem „Plagiat“ steht zunächst ein seltenes lateinisches plagium, das erstmals in Augusteischer Zeit im Sinne einer Großwildjagd mit Hunden und Netzen begegnet und im 2. Jahrhundert n. Chr. auf den juristischen Tatbestand des Menschenraubs übertragen wurde; der dazu gehörige plagiarius erscheint bei Cicero sogleich im Sinne eines politischen Bauernfängers. In der Spätantike ist für die üble Tat noch das Verb plagiare, „einen Menschenraub begehen“, für den üblen Täter noch ein plagiator, ein notorischer „Menschenräuber“, hinzugekommen...

 

Weitere faszinierende Wortgeschichten finden Sie in folgenden Büchern:

Bartels, Klaus, Wie die Murmeltiere murmeln lernten. 77 Wortgeschichten, Philipp von Zabern, Mainz 2001

Bartels, Klaus, Trüffelschweine im Kartoffelacker. 77 Wortgeschichten, Philipp von Zabern, Mainz 2003

Bartels, Klaus, Wie Berenike auf die Vernissage kam. 77 Wortgeschichten, 3., durchgesehene Auflage, Philipp von Zabern, Mainz 2004

Bartels, Klaus, Die Sau im Porzellanladen. 77 neue Wortgeschichten, Mainz 2008.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
eduhi.at
Veröffentlicht am
06.08.2010
Link
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