Psychodynamische Kurzzeittherapie

Das Buch ist mit jener Mischung aus Gediegenheit und Frische, Überzeugungskraft und Nichtbelehrung geschrieben, die ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung verrät.

Buchtitel: Psychodynamische Kurzzeittherapie. Wege der Psychotherapie
Autorinnen: Levenson H
Verlag: E. Reinhardt
Erschienen: 2011

Zum Inhalt

Therapie musss nicht "endlos" sein und es gilt nicht unbedingt, je länger die Therapiedauer, desto besser der Erfolg. Mann kann auch in kurzer Zeit viel erreichen. Leitlinie dabei ist nicht der rasche Erfolg, sondern die Steigerung der Effizienz. Ein begrenzter therapeutischer Fokus und begrenzte therapeutische Ziele, zeitliche Grenzen sind notwendig, ebenso auch eine stärkere Aktivität des Therapeuten, ein starkes therapeutisches Bündnis, prompte Interventionen und Optimismus sind einige der wichtigen Eigenschaften der psychodynamischen Kurzzeittherapien.

Levinson zeichnet im 2. Kapitel die Geschichte der Kurzzeittherapie auf, angefangen von Freud und insbesondere seinen Schülern Ferenczi und Rank über eine zweite Generation (psychodynamische Ansätze), dritte Generation (Schwerpunkt auf forschungsbasierten interpersonalen Ansätzen) und vierte Generation (Akzentuierung der Bearbeitung heilsamer Affekte in experientellen, d.h. erlebnisorientierten Ansätzen).

Kapitel 3 liefert die theoretischen Grundlagen: Bindungstheorie (z.B. der Therapeut muss eine verlässliche Basis bilden, damit sich der Patient mit seinen inneren Objekten und Arbeitsmodellen auseinander setzen kann), die interpersonale, relationale Theorie (die das Einpersonenmodell mit seiner Fokussierung des Intrapsychischen abgelöst hat und den Übergang zur Zweipersonenmodell mit seiner Fokussierung des Zwischenmenschlichen bewirkte), die experientelle affektive Theorie (mit ihrer "Emotionsrevolution", d.h. der Betonung der Wichtigkeit der Emotionen und ihrer Regulation).

Levenson führt mehrere Grundsätze der psychodynamischen Kurzzeittherapien an, z.B. Menschen wollen Verbundenheit mit anderen aufrechterhalten, Beziehungsmuster werden frühzeitig erworben und sind relativ beständig (im Sinn einer Maladaption), deshalb werden die Klienten als festgefahren und nicht als krank betrachtet, die Therapie greift ein besonders problematisches Beziehungsmuster auf und versucht, es zu verändern. Der therapeutische Fokus liegt aber auch auf dem Intrapsychischen und der Veränderung negativer Emotionen durch die Förderung positiver Emotionen.

Kapitel 4 widmet sich dem Therapieprozess (beginnend mit der Formulierung fehlangepasster Beziehungsmuster, anschließend die Darstellung von Interventionsstrategien), das 5.Kapitel bringt für den Nachweis der Effektivität der psychodynamischen Kurzzeittherapie erfreuliche Evaluationsergebnisse, wobei allerdings auch auf die hohen Anforderungen an den Therapeuten hingewiesen wird (S 123f).

Das 6. Kapitel bringt sehr sympathische Empfehlung für die Zukunft: integrativ praktizieren, mehr als nur die Schmerzenslindeung anstreben, prefektionistische Therapieziele aufgeben, keinen Behandlungsminimalismus zulassen, Weltanschauungen therapeutisch berücksichtigen u. v. a. m. Levenson ermutigt auch zu Miniforschungen in der täglichen klinischen Praxis und zu einem praxisverankerten Instruktionskonzept bei der Ausbildung.

Levenson schafft es, durch die klare Argumentation und durch einleuchtende Konkretisierungen, das Anliegen der psychodynamischen Kurzzeittherapie so zu präsentieren, dass diese Form der effektiven Heilbehandlung immer mehr Anhänger finden wird!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
04.01.2012
Link
https://www.edugroup.at/praxis/portale/psychologie-und-philosophie/news/detail/psychodynamische-kurzzeittherapie-wege-der-psychotherapie.html
Kostenpflichtig
nein