Homegoing

Autor GYASI, Yaa

Verlag London: Penguin 2017

Nicht dass ich so versiert wäre zu sagen: Ach, schon wieder ein Sklavenroman. Für mich ist Gyasis Buch ein mitreißender Roman, vor allem in seinen ersten zwei Dritteln, und noch immer ein eye-opener.

„Homegoing“ beginnt im 18. Jahrhundert im heutigen Ghana, in einem Dorf der Aasante. Sogenannte „bomboys“ verkaufen besiegte Stammesangehörige an die Weißen. In den unterirdischen Hallen des Cape Coast Castle werden die Sklavinnen und Sklaven unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten, bevor sie verschifft werden.

Dort landet Effia Otcher, allerdings nicht als Sklavin, sondern als Frau des Sklavenhändlers James (der in England natürlich auch verheiratet ist). Weniger gut ergeht es ihrer Halbschwester Esi, die im Kerker landet. Die Lebenslinien der beiden Frauen werden im Roman bis ins 21. Jahrhundert verfolgt. Manche Fäden werden besser verknüpft, manche schwächer, aber insgesamt bleibt ein festes Gewebe aus Unterdrückung, Grausamkeit, Menschenverachtung – und Liebe, Zuneigung. Nur so schaffen es die Sklavengenerationen nicht völlig entwurzelt zu überdauern. Nur so schaffen es die Menschen, allmählich Tritt zu fassen, sich ihrer Rechte bewusst zu werden (für mich ist der Charakter namens H das beste Beispiel). Niemand entkommt seiner Herkunft, weder Quey, der Sohn von James und Effia, noch – am Schluss – Marjorie und Marcus.

Wie gesagt, die ersten beiden Drittel sind packender, vermutlich wegen der offensichtlichen Ungerechtigkeiten, am Schluss zerflattert der Roman ein wenig; dennoch hat Gyasi ein kompaktes Buch geschrieben, denn da gab es bestimmt die Versuchung, einen Endlos-Roman zu verfassen, basierend auf dem Konzept er zahlreichen, wenn auch verwobenen, Einzelschicksale. Hoffentlich lesen wir bald mehr von Yaa Gyasi!

pp. 300

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.02.2018
Link
https://www.edugroup.at/praxis/portale/rezensionen/detail/homegoing.html
Kostenpflichtig
nein