Was ist sensorische Integration?

Infos zur sensorischen Integration nach Jean Ayres.

Verein Down-Syndrom Oberösterreich

 
 

Was ist sensorische Integration? Und weshalb

eignet sich diese Therapieform für Menschen mit Down-Syndrom?

Die sensorische Integration nach Jean Ayres

Wahrnehmung oder Perception: ist die Aufnahme, Verarbeitung und Reaktion

auf Sinnesreize.

Sensorische Integration: ist die Zusammenstellung von Sinneswahrnehmungen

für den Gebrauch,

das heißt der Vorgang, durch das Gehirn Informationen von den Sinnen

     

     

  • aufnimmt
  •  

     

  • erkennt
  •  

     

  • deutet und
  •  

     

  • eingliedert
  •  

     

 

um darauf mit einer passenden Handlung zu reagieren

Zum intersensorischen Prozess gehören zwei Bereiche:

     

     

  1. Der nicht sichtbare Prozess:
    Der Prozess der Reizaufnahme, der Reizfilterung und der weiteren ordnenden Reizverarbeitung sinnlicher Eindrücke ( sensorischer Imput) zu einer vollständigen umfassenden Hirnfunktion.
  2.  

     

  3. Der sichtbare Prozess :
    Tonusveränderung, Bewegung, Gefühlsreaktion, Laute, Sprache, Denken und Lernen. (sensorischer Output)
    Menschen mit Down Syndrom können auf allen oben angeführten Punkten eines oder mehrere Störungsbilder zeigen. Der sichtbare Prozess spiegelt dann eine Reihe von Auffälligkeiten im Alltag wieder.
  4.  

     

Sensorische Integration ist die Zusammenstellung

der sensorischen Informationen für den Gebrauch

das bedeutet:

     

     

  1. Sensorische Integration ist ein Bestandteil der normalen Entwicklung des Menschen.
  2.  

     

  3. Sie betrifft zunächst die Körpersinne oder Nahsinne oder Somatosensorien
    Tastsinn - Tiefsinn - Bewegungssinn - Gleichgewichtsinn
  4.  

     

  5. Später werden auch die Fernsinne sensorisch integriert.
    Riechsinn - Geschmackssinn - Sehsinn - Hörsinn
  6.  

     

  7. Das Zusammenwirken der Sinne bewirkt :
    Muskeltonus - Körperhaltung - Bewegung - zielgerichtete Handlung
  8.  

     

  9. Dies ist die Voraussetzung für Lernen
  10.  

     

  11. Der Grad der sensorischen Integration bestimmt die Entwicklung und das Selbstbewusstsein und ist die Grundlage der Persönlichkeitsentwicklung
  12.  

     

"Selbstachtung, Selbstkontrolle und Selbstvertrauen entwickeln sich in

dem Bewusstsein, dass der Körper als ein zuverlässiges sensomotorisches

Gebilde existiert und führen von einer guten Integration des Nervensystems

her"

Zitat nach Jean Ayres

Wahrnehmungsvorgang

Reiz

Aufnahme

Weiterleitung (Bewertung - ev. Abblocken)

Speicherung

Vergleich

Koordination

Reaktion

Mögliche Störungsstellen können sich überall befinden.

Bei der Diagnose Down-Syndrom tritt die Störung bereits häufig bei

der Weiterleitung auf. Auf der Ebene der Weiterleitung kommt es im Gleichgewichtsystem

und im taktilen System (Hautbereich) zu einer Bewertung (persönliches

Empfinden des Gespürten).

Konsequenz :

     

     

  1. keine adäquate Verarbeitung / Reaktion auf Sinnesreize
  2.  

     

  3. Hypo-Hyperreaktion in den Grundwahrnehmungssystemen (Suche, Vermeidung, Dysfunktion und Blockierung von Reizen). Daraus resultieren eine Vielzahl von Problemen in der Bewältigung des Alltags.
  4.  

     

Durch den Wahrnehmungsvorgang entstehen zwei wichtige Entwicklungsprozesse

(notwendig für die motorische und geistige Entwicklung):

     

     

  1. Körpergefühl:
    Automatisierte, gespeicherte, verinnerlichte Landkarte des eigenen Körpers und dessen Fähigkeiten.
  2.  

     

  3. Körperschema:
    Grundvoraussetzung dafür ist das Körpergefühl
    Erkennen und Benennen von Körperteilen (Körperbegriff)
  4.  

     

Sensomotorische Entwicklung = geistige Entwicklung hat bei der Diagnose Down-Syndrom

eine noch weitreichendere Bedeutung, da die betroffen Menschen in beiden Systemen

Problemen haben. Umso wichtiger ist es, dass bei Kindern mit Down-Syndrom ganz

besonders darauf geachtet wird, alle oben beschriebenen Schritte in der Entwicklung

zu durchlaufen, um Ausdauerverhalten, Aufmerksamkeitsspanne und Konzentrationsvermögen

durch eine gute Tonisierung zu erreichen. Diese drei Komponenten sind fürs

Lernverhalten von fundamentaler Bedeutung.

Die sensorische Integrationstherapie ermöglicht diesen besonderen Menschen,

falls Störungsbilder in den oben angeführten Punkten vorliegen, eine

angenehmere Alltagsbewältigung durch eine adäquatere Wahrnehmungsverarbeitung.

Diese hat einen großen Einfluss auf das Sprachverständnis, die Raumwahrnehmung,

die Graphomotorik, den Arbeits- und Lernstil, das Gedächtnis und die Motivation.

Quelle:

Allerlei ...Nachrichten von uns - für Euch...

- Ausgabe 2002

Herausgeber: Verein

Leben mit Down-Syndrom

 

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.07.2001
Link
https://www.edugroup.at/praxis/portale/sonderpaedagogik/material-s-lehrplan/detail/was-ist-sensorische-integration.html
Kostenpflichtig
nein