Technische Werkerziehung - Konzept der Volksschule Frohnleiten (2000)

"Ein wesentlicher Beitrag zur technischen Bildung" - Konzept der Volksschule Frohnleiten/Stmk. (Juni 2000)

Ein wesentlicher Beitrag zur technischen Bildung

 


Technische Werkerziehung in der Pflichtschule ist - nach Gustav Zankl - tätiger, handelnder Umgang mit Werkzeugen und Werkstoffen, um prozesshaft „Lernen zu lernen".Wenn man mit Menschen über die Bedeutung einer Technischen Bildung in der allgemein bildenden Schule spricht, wird diese als zwingend notwendig in unserer Industriegesellschaft angesehen. Probleme treten aber immer dann auf, wenn es um die Umsetzung konkreter Inhalte im Fächerkanon geht, also um das Verzichten auf Inhalte anderer Fächer zu Gunsten der technischen Bildung. Von vielen Menschen werden technische Einrichtungen als notwendig für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse gesehen. Die Tatsache aber, dass die gesellschaftlichen Veränderungen fast ausschließlich durch technische Innovationen zur Existenzsicherung herbeigeführt werden und damit den Menschen und die Umwelt direkt berühren scheint zumindest keine herausgehobene Bedeutung für die Daseinsbewältigung im Bewusstsein des Einzelnen zu haben und damit einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Die Bewusstseinsbildung zur angemessenen Wahrnehmung der Bedeutung der Technik kann nur durch eine Zusammenarbeit von Schulen, Fachhochschulen, Universitäten und Wirtschaft erreicht werden.Die technische Alltagswelt als Lebens- und Erfahrungswelt durch individuelles Handeln und Erschließen verständlich und durchschaubar zu machen, ist eine Aufgabe der Technischen Bildung. Eine technische Grundbildung kann zum technischen Verständnis einen wesentlichen Beitrag leisten. Der Einzelne wird mit einer zunehmend komplexeren und vernetzten, von Technik mitbestimmten Lebenswirklichkeit konfrontiert, in der er die Kompetenz besitzen sollte, verantwortliche Entscheidungen in Gegenwart und Zukunft treffen zu können. Diese sollen unter individuellen, sozialen und ökologischen Aspekten gegenüber der Gesellschaft vertretbar sein.

  • Technische Bildung hat auf die Entwicklung technischer Handlungskompetenz Einfluss, d.h. sie bereitet auf verantwortliches Handeln mit und Gestalten von technischen Systemen und Prozessen vor. Zur Information ist hier der Unterschied zwischen Aufgabenlösung und Problemlösung (modifiziert nach Dinter) angeführt:


Durch die Erfüllung dieser Zielsetzung ergeben sich Qualifikationen wie:

  • systematische Vorgehen bei der Lösung von technischen Aufgaben/Problemen
  • adäquates Analysieren und Beschreiben von technischen Zusammenhängen
  • Denken in Funktionsblöcken, Systemen und Prozessen als Mittel zur Erschließung von komplexen technischen Strukturen
  • Förderung der Mitverantwortung des Lernenden für den Lernprozess durch Entwicklung von sozialen Verantwortungsmustern sowie Integrationsfähigkeit

Die Diskussion über den Wert der Schlüsselqualifikationen ist in zahlreichen Veröffentlichungen diskutiert worden. Mit dem Konzept der Schlüsselqualifikationen wird von einem Modell ausgegangen, das die Entwicklung von technischer Handlungskompetenz, bezogen auf die Methoden- und Sozialkompetenz beschreibt.
Die Schlüsselqualifikationen sind in ihrer Beschreibung sehr abstrakt. Sie sind jeweils mit Strategien/Methoden oder Lernformen verknüpft. Strategien sind u.a. die des Konzipierens und Fertigens eines Produktes oder der Analyse und Bewertung eines technischen Prozesses. Lernformen wie gruppenzentriertes Lernen sind eine Voraussetzung zur Entwicklung von Teamfähigkeit und individueller Verantwortung. Schlüsselqualifikationen besitzen ihre Gültigkeit sowohl in der Schule als auch in der Berufsausbildung bis hin zum Studium. Da ihre Vermittlung auf unterschiedlichem fachlichen Niveau angesiedelt werden kann, können sie einen herausgehobenen, gemeinsamen Bezugspunkt darstellen und damit als Gelenk zwischen Technischer Bildung und technischer Berufsausbildung fungieren.

Das Lernpotenzial, das sich in dem Verständnis vom technischen Handeln verbirgt, hat schon Rousseau mit seiner Gestalt des „Emile" aufgezeigt., wobei es ihm gelang, handwerkliches Tun mit technisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnissen im werktätigen Erfinden zur Persönlichkeitsentwicklung zu verknüpfen.

Aufgabe der Technischen Bildung ist es daher, einerseits das Bedingungsgefüge zu ökonomischen und ökologischen Wechselwirkungen, andererseits zu mathematischen/naturwissenschaftlichen und politischen Abhängigkeiten zu berücksichtigen. Lebenswirklichkeit ist weder in Fachdisziplinen noch in Abteilungsstrukturen aufzuteilen, sondern sie bedingen das Miteinander, um Synergieeffekte zu erreichen



Bei einer derartigen Forderung stellt sich die Frage, ob unsere Bildungs- und Ausbildungsstätten „Häuser" sind, in denen kooperative Gestaltungsprozesse im Sinne eines offenen Lernens realisiert werden können.

Ein Fachgebiet, wie die Technikdidaktik, die sich an der Lebenswirklichkeit zu orientieren hat, ist zwangsläufig mit dem technischen und strukturellen Wandel konfrontiert. Insofern ist es auch verständlich, dass die Konzepte technischer Bildung einerseits nicht statisch, sondern dynamisch sind und andererseits verschiedene Sichtweisen besitzen.
Wenn die Technikdidaktik durch technischen und strukturellen Wandel gezwungen ist, Anpassungen vorzunehmen, so benötigt sie Fachkompetenz.


Weitere Informationen zum Thema Werken finden sie in der Homepage der Pädagogischen Akademie Graz-Eggenberg.

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
21.06.2004
Link
https://www.edugroup.at/praxis/portale/werken-technisch/rahmen-bedingungen/detail/technische-werkerziehung-konzept-der-volksschule-frohnleiten-2000.html
Kostenpflichtig
nein