Arbeitsblatt Keramik - Aufbautechniken

Die Herstellung von Keramik, das Formen und Brennen von Produkten aus Ton, gehört zu den ältesten Techniken des Menschen. Tongefäße kennzeichnen bereits die Kulturen in der Jungsteinzeit. Ein Arbeits-und Infoblatt zeigt SchülerInnen eine Übersicht über die Techniken der Aufbaukeramik.

Die Herstellung von Tongefäßen bietet nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten. Sie  sensibilisiert das Tastempfinden mit den Händen. Doch das bildsame Material Ton erfordert schrittweises Einarbeiten und praktische Erfahrungen, damit es für SchülerInnen zu keiner Enttäuschung kommt.

Nahezu alle Tonarten mit einem Schamotteanteil zwischen 25 und 40 Prozent und einer Körnung von bis zu zwei Millimetern eignen sich für die Aufbaukeramik. Dabei gilt das Gebot, dass der Schamotteanteil umso höher sein sollte, je größer die Arbeit werden soll. Für den Schulgebrauch ist ein Steingut-Ton mit 25% Schamottanteil und feiner Körnung von  0–0,5mm für Wandstärken bis ca. 10 mm üblich, der bei  ca. 970 Grad gebrannt wird und offenporig bleibt.

 

 AUFBAUTECHNIKEN :

Die Techniken des freien Aufbauens (Modellierens) sind relativ einfach. Je nach den beabsichtigten Funktionen und Formen eines Gefäßes werden unterschiedliche Vorgehensweisen zur Herstellung einer Aufbaukeramik gewählt:

  • Die Daumentechnik, die einfachste Aufbautechnik, besteht darin, dass der Ton nur mit beiden Händen mithilfe der Daumen und der Fläche der anderen Finger (nicht nur Zeigefinger!) geformt wird. Zunächst wird eine Kugel hergestellt, die in zwei Halbkugeln geteilt wird. Mit den Daumen beider Hände wird oben eine Vertiefung eingedrückt. Dabei wird die Halbkugel immer wieder gedreht, bis die Wände dieser „Daumenschale“ etwa die gleiche Stärke eines Fingers haben. Das gleiche wird mit der zweiten Halbkugel wiederholt. Die Schnittflächen der beiden gleichgroßen Schalen werden mit einem "Wasser-Finger" benetzt, miteinander verbunden und dabei die Naht sorgfältig verstrichen. Eine ebene Standfläche erreichen wird durch leichtes Stauchen auf der Holzunterlage erreicht. Bei dieser keramischen Technik können allein die Hände als "Werkzeuge" eigesetzt werden. Die  Technik eignet sich besonders für kleine Gefäße wie Kugel-Vasen und Schale.
  • Die sogenannte Wulsttechnik ist eine anspruchsvollere Variante der Aufbaukeramik, die differenziertere Formen ermöglicht. Hierbei besteht der Boden des Gefäßes aus einer runden Tonplatte, die mit einem dicken Rundholz od. Nudelholz zwischen zwei Leisten ausgerollt wurde. Aus weichem Ton werden einige Tonwülste (gleichmäßig fingerstark und ausreichend lang) hergestellt, die zu Ringen geformt werden. Durch Auflegen von Ring auf Ring mit etwas Wasser wird die Wandung aufgebaut. Bei größeren Ringen wird die Gefäßform weiter, bei Kleineren enger. Die Stöße am Zusammenschluss der Ringe sollten versetzt übereinander liegen. Die Nahtfugen der Schichten werden sorgfältig  verstrichen.
  • Die Stegtechnik ist eine Weiterentwicklung der Wulsttechnik. Sie erleichtert das Aufbauen von großen Gefäßen mit glatten Wänden. Dazu werden breite Tonstreifen (Stege) verwendet, die aus dicken Wülsten durch Flachdrücken mit dem Handballen oder durch Auswalzen zwischen zwei Leisten entstehen und genügend lang sein müssen. Ein Plan der Gefäßform im Umriss mit einer Einteilung der Stegstreifen erleichtert die Arbeitsplanung und zeigt an, wo sich das Gefäß verjüngt oder erweitert und somit kürzere bzw. längere Stege benötigt werden.  Die Stirnseite der Stege werden im Kreuzschnitt mit dem Messerrücken oder einer Gabel aufgeraut und etwas benetzt. Die Stege werden nach dem Andrücken mit einem Modellierholz quer zur Nahtfuge rauf und runter verstrichen, so miteinander „verzahnt“ und dann geglättet.
  • Bei der Aushöhltechnik wird die wird eine kompakte Kugel oder Figur in der Mitte durchgeschnitten und mit Tonwerkzeugen ausgehöhlt. Diese Technik eignet sich vorzüglich zum Verarbeiten von etwas angetrockneten Tonresten, die zu einem größeren Klumpen verbunden werden müssen. Durch das sog. "Schlagen" des Tons werden Lufteinschlüsse aus der Masse vertrieben. Mit Hilfe von Modellierschlingen wird der Ton portionsweise herausgeschnitten. Die Dicke der Wandung sollte möglichst gleichmäßig sein. Das Innere wird mit dem angefeuchteten Finger oder einem Modellierholz geglättet.  Beide Hälften werden an den Schnittflächen mit einer Gabel aufgeraut,  benetzt und mit Schlicker wieder zusammengefügt. Alle Hohlräume müssen eine Öffnung nach außen haben, sodass die Luft beim späteren Brennen entweichen kann. (Beim Beispiel der Vogel-Gefäßflöte wurde der Gefäßkörper ausgehöhlt. Die Flöte selbst wurde aus zwei Teilen gefertigt: A) Das Flötenrohr mit Labium durch Ummanteln eines 5mm Rundstabs durch Ton. B) Das kleinere Mundstück aus Ton, in das ein schmaler Luftkanal mit einem Kugelschreiber-Metallclip gestochen wurde. Nach dem Trocknen bis zur „Lederhärte“ wurden alle Teile mit Schlicker verbunden.)
  • Die Plattentechnik eignet sich gut für große Gefäße, die aus genau zugeschnittenen ebenen oder gebogenen lederharten Tonplatten aufgebaut werden. Runde Formen, bei denen die Seitenwand aus einer einzigen, noch biegsamen Platte evtl. über eine Pappröhre) geformt wird, sind etwas einfacher. Bei eckigen Formen ist ein Schnittmuster aus Papier oder Karton für das Zuschneiden der Platten erforderlich.   Der magere, stärker schamottierte Ton wird zu gleichmäßigen Platten zwischen zwei 1cm dicken  Leisten ausgewalzt. Zur Vermeidung von Deformationen lässt man die Platten vor ihrem Einsatz als Wände ca. 2 Stunden antrocknen (aufgestapelt zwischen saugfähigen Unterlagen (z.B. Karton, festes Packpapier, rohe Spanplatten). Stoßkanten rechtwinklig schneiden, möglichst nicht auf Gehrung. Die Kanten werden aufgeraut und mit einem Pinsel wird reichlich Schlicker aufgetragen. Beim Zusammenfügen darf nicht zu trocken gearbeitet werden, da die Nähte sonst beim Brennen auseinandergehen. Nähte und Ecken werden innen verstärkt durch aufgelegte dünne Tonwülste, die man verstreicht.

Arbeitsblatt Keramik - Aufbautechniken

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
01.07.2015
Link
https://www.edugroup.at/praxis/portale/werken-technisch/unterrichts-beispiele/detail/arbeitsblatt-keramik-aufbautechniken.html
Schulstufe
Primärausbildung (1. bis 4. Ausbildungsstufe)
Sekundarstufe I (5. bis 8. Ausbildungsstufe)
Sekundarstufe II (9. bis 13. Ausbildungsstufe)
Kostenpflichtig
nein