Die Geschichte nicht vergessen

© Erika Wildmann
© Erika Wildmann

Die Geschichte der in Österreich sesshaft gewordenen Heimatvertriebenen deutscher Muttersprache ist ein wesentlicher Teil der österreichischen Geschichte. Aber nur Wenige wissen über diese Thematik Bescheid und auch in der Schule wird es kaum behandelt.

Millionen Menschen waren auf der Flucht

Auf dem Gebiet der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie lebten vor 1918 außerhalb  der kernösterreichischen Länder von heute weitere fünfeinhalb Millionen Menschen deutscher Muttersprache. Sie sind in diesem Sinne Altösterreicher und werden von der heutigen Geschichtsschreibung in die 12 Millionen deutschen Heimatvertriebenen des II. Weltkriegs eingerechnet.

Von ihnen sind – zwischen ihrer Flucht und Vertreibung 1944/1945 und der Zeit des Staatsvertrags – 360.000 mit der Verleihung der Staatsbürgerschaft Bürger des heutigen Österreich geworden.

Leider herrscht nach fast 70 Jahren der Sesshaftwerdung dieser Altösterreicher in Österreich in der heutigen Bevölkerung bereits ein großes Informationsdefizit. Nur Wenige wissen über die Geschichte dieser Mitbürger und ihr Schicksal am Ende des II. Weltkriegs Bescheid.

Diese Wissenslücken will Nationalratsabeordneter und Vertriebenensprecher Mag. Michael Hammer mit gezielter Informationspolitik, vor allem in Schulen, schließen. 

Hammer: Aufnahme in die Lehrpläne

NR Michael Hammer

Wieso ist Ihnen die Problematik der Heimatvertriebenen so eine Herzensangelegenheit?

Die Geschichte der Heimatvertriebenen in Österreich ist ein wesentlicher Teil der Geschichte Österreichs. Heimatvertriebene waren in den 40er Jahren der Motor des Wiederaufbaus und in den 50er Jahren des Wirtschaftswunders. Die Heimatvertrieben sind ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Geschichte.

 

Um die Geschichte der Heimatvertriebenen und ihre Integration in die Geschichte des Landes einzubringen und in Erinnerung zu halten ist es unerlässlich dieses Kapitel österreichischer Geschichte in der Bildung der Bevölkerung einzubinden. Dies ist mir ein Anliegen und deswegen setze ich mich dafür ein.

 

 

In Schulen wird das Thema kaum aufgegriffen – wieso glauben Sie, ist das so?

In manchen Schulen wird das Thema aufgegriffen. Dies vor allem auch deswegen, weil auch unter der Lehrerschaft viele sind, deren Vorfahren Heimatvertriebene waren und denen dieses Thema ein besonderes Anliegen ist. Generell ist es aber so, dass sich dieser Inhalt nicht in den Lehrplänen findet und daher oftmals, auch aufgrund der vielen anderen Lehrplaninhalte, zu kurz kommt. Unser Ziel ist daher auch die Aufnahme der Geschichte der Heimatvertriebenen in die Lehrpläne.

 

 

Wieso empfehlen Sie Lehrkräften sich dem Thema anzunehmen?

Weil es zur Nachkriegsgeschichte Österreichs auf jeden Fall dazugehört. Viele Schülerinnen und Schüler haben zudem ja persönliche Beziehungen zu den Heimatvertriebenen. Vor allem in Oberösterreich sind die Heimatvertriebenen und deren Nachkommen weit verbreitet.

 

 

Sie haben nun Materialien für Schulen zusammengestellt – welche Inhalte werden vermittelt?

Die Geschichte der Heimatvertriebenen generell seit der Monarchie. Die Nachkriegsgeschichte mit den einzelnen Wanderungsbewegungen, die neue Heimat und der Wiederaufbau in der neuen Heimat. Zudem auch die Geschichte der Donauschwaben und der Sudetendeutschen in DVD-Form. Wir bieten auch persönliche Zeitzeugengespräche an.

 

 

In welcher Schulstufe können die Materialien eingesetzt werden?

Ich denke, dass die 3. und 4.Klasse Hauptschule, Neue Mittelschule oder Gymnasium dafür geeignet sind. Natürlich eignet sich der Stoff aber auch hervorragend in der Oberstufe.

 

 

Was glauben Sie verbessert sich, wenn unsere Jugend mehr über dieses Thema Bescheid weiß?

Viele Jugendliche haben zum Beispiel schon von den Benes-Dekreten gehört ohne zu wissen, welchen Hintergrund diese haben und wer davon betroffen ist. Auch die Begriffe Sudetendeutsche, Donauschwaben oder Siebenbürger-Sachsen sind vielen ein Begriff. Ich denke dass wir auch die Jugend darüber aufklären sollten, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Auch im Zuge der gesamten europäischen Geschichte sollte die Jugend über diesen Teil der Geschichte Bescheid wissen. Vor allem auch, dass es in vielen europäischen Ländern Orte gibt, wo es deutschsprachige Bevölkerung gab und wo noch vieles von unserer Tradition weiterhin besteht.

 

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