Führung als Belastungsfaktor für Lehrkräfte

Rund 140 SchulleiterInnen waren nach Puchberg gekommen
Rund 140 SchulleiterInnen waren nach Puchberg gekommen

Jeder Mitarbeiter ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich, doch Führungspersonen können die geeigneten Rahmenbedingungen dafür schaffen. Studien zufolge sind vor allem Lehrkräfte gefährdet, im Job zu erkranken. Belastendster Faktor ist die schlechte Feedbackkultur.

Gesundes Führen ist ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Schule. Wie kann man als Führungskraft gleichzeitig die potentielle Überforderung der Kollegen und Kolleginnen beachten und die Schulqualität nicht aus den Augen verlieren? Diesen und vielen weiteren Fragestellungen widmete sich der Studientag des BeratungsZentrums für LehrerInnen und Schulen. Durch den Tag führte die Organisationsberaterin und Krisen- und Konfliktmanagerin Mag. Dr. Silvia Dirnberger-Puchner. Wir haben die beiden Vortragsteile in voller Länge gefilmt und ein Interview mit ihr geführt.

Dirnberger-Puchner: Es kann nur einen situativen Führungsstil geben


Die Organisationsberaterin und Krisen- und Konfliktmanagerin Mag. Dr. Silvia Dirnberger-Puchner hält nur wenig von den verschiedensten Führungsstilen, die in der Literatur immer wieder angepriesen werden, da die Menschen viel zu verschieden sind, um nur einen Stil anzuwenden. Für sie gibt es nur einen Führungsstil, der allen gerecht werden kann - die situative Führung. "Situative Führung beinhaltet alle Führungsstile, die wir in der Literatur kennen, aber eben situativ auf die Person und eine bestimmte Situation bezogen", so Dirnberger-Puchner. Sie kritisiert dass Führung derzeit für alles verantwortlich gemacht werde - das sollte aber nicht der Fall sein. "Führung ist aus meinem Verständnis nicht für die Gesundheit der Menschen verantwortlich. Denn für die Gesundheit ist jeder selber verantwortlich. [...] Aber Führung ist für die Rahmenbedingungen verantwortlich, dass sozusagen gut gearbeitet werden kann", erklärt die Expertin.

In ihrem Vortrag thematisiert sie zudem die Funktionsweisen sozialer Systeme, das Individuum als soziales System sowie Burnout-Erkrankungen. Dirnberger-Puchner spricht hier von einer "heimtückischen Krankheit", deren Begriff aber inflationär benutzt werde und oft mit der Arbeit in Verbindung gebracht werde. Sie ist aber überzeugt, Burnout entsteht in anderen Bereichen, sie werde nur in die Arbeit getragen und dort kommt sie voll zum Vorschein.

Dirnberger-Puchner: 5 zentrale Führungsaufgaben


Eine der wichtigsten Fähigkeiten, um bei Gesundheit zu bleiben ist "die Fähigkeit Grenzen setzen zu können und das können die allerwenigsten Menschen", betont die Krisen- und Konfliktmanagerin Mag. Dr. Silvia Dirnberger im zweiten Teil ihres Vortrags. Doch nicht nur Grenzen setzen ist eine wichtige Führungsaufgabe - Dirnberger-Puchner geht insgesamt auf fünf wichtige Führungsaufgaben ein (für die geplanten acht reichte leider die Zeit nicht).

1) Sich selbst kompetent managen (Motivation, Zielsetzung, Planung & Organisation, Lernfähigkeit und Erfolgskontrolle durch Feedback)

2) Grenzen erkennen, setzen und wahren

3) Kommunikations- und Kooperationsarchitekturen schaffen (80 % der Führungsaufgaben werden durch Kommunikationsprozesse bestimmt)

4) Sinn vermitteln und Orientierung geben (Sinn und Zweck Ihrer Schule müssen laufend kommuniziert werden)

5) Konsequent lösungsorientiert Denken und Handeln

Dirnberger-Puchner: Führung als Belastungsfaktor für Lehrkräfte


Beim Studientag "Gesunde Führung" sprachen wir mit Mag. Dr. Silvia Dirnberger wie Führung & Gesundheit zusammenhängen, welche Aufgaben Führung hat und welche nicht und wieso gerade Lehrkräfte Führung als Belastung empfinden. Abschließend gab die Kommunikationstrainerin noch Tipps für Führungskräfte, um die Gesundheit und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hoch zu halten.

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