Schulangst ist keine Seltenheit

©Thinkstock/iStock/MarkPiovesan
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Der Schulstart steht kurz bevor, doch viele Kinder belastet der Schulstress enorm. Jedes zehnte Kind im Alter von acht Jahren leidet an einer Angsterkrankung. Eine Jugendpsychiaterin gibt Tipps, was zu tun ist, wenn die Schule Angst macht.

„Kinder mit Angsterkrankung fürchten sich vor Peinlichkeit und Bloßstellung. Erklärungen und Beruhigungsversuche von Eltern und Lehrern sind da wenig hilfreich“, sagt Dr. Bettina Matschnig, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wels.
Betroffene Kinder beginnen bereits am Abend vor dem Schulbesuch sich zu fürchten, was am nächsten Tag in der Schule passieren wird und oftmals schwänzen sie auch den Unterricht. „Wenn sie doch in die Schule gehen, können folgende Symptome Warnsignale für eine ernsthafte Angsterkrankung sein: Herzklopfen, Herzrasen, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühle, Brustschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schweißausbrüche, Zittern oder Kopfschmerzen“, so Matschnig.

Schulangst, Schulphobie, Schulschwänzen

Grundsätzlich sollte zwischen  drei Verhaltensformen unterschieden werden. Das ist zum einen die Schulangst, dann die Schulphobie und letztlich das Schulschwänzen.

  • Die Schulangst betrifft oft Kinder mit Lernschwächen. Diese Kinder sind in der Schule oft überfordert. Hier sollte hinterfragt werden, ob die Kinder in der richtigen Schule sind, die richtige Schulform gewählt wurde. Es sollte auch herausgefunden werden, welche Unterstützung sie beim Lernen brauchen.

  • Bei der Schulphobie ist das Problem an sich der Lebensraum Schule. Oft werden Probleme, die ihre Ursache in der Familie haben, auf den Lebensraum Schule projiziert.

  • Beim Schulschwänzen sind es eher die Bequemlichkeit und die Abenteuerlust, die die Schüler zum Fernbleiben des Unterrichts treiben.

Tipps für einen guten Start

Die Jugendpsychiaterin Dr. Bettina Matschnig hat eine Reihe von Tipps für den angstfreien Schulstart zusammengetragen:

  1. Die Schule sollte zu Hause positiv besetzt sein. Das Kind soll sich darauf freuen, etwas Neues lernen zu dürfen oder neue Freunde zu finden.
  2. Die Selbständigkeit des Kindes sollte stets gefördert werden. Ist das Kind auf richtiges Verhalten und selbständige Tätigkeiten vorbereitet, wird es entspannter in die Schule gehen.
  3. Den Schulweg üben und auf Gefahren hinweisen.
  4. Kinder an einen festen Tagesablauf gewöhnen.
  5. Kinder an Auftragserfüllungen gewöhnen. Überlassen Sie dem Kind Aufgaben im Haushalt, so fühlt es sich nützlich und es steigert den Selbstwert.
  6. Der erste Schultag soll etwas ganz Besonderes für das Kind sein. Machen Sie ein Fest daraus!
  7. Gesunde Ernährung viel Bewegung und Entspannung in den Alltag bringen.
  8. Den Fernseh- und Videospielkonsum nach und nach einschränken.
  9. Stets die Lust am Lesen fördern! Wer viel liest, liest gut, erweitert seinen Wortschatz und wird später gute Aufsätze schreiben.
  10. Keine zu hohen Ansprüche oder Erwartungen an das Kind stellen. Den Vergleich mit anderen weitgehend außen vor lassen, das Kind kann durch zu hohe Erwartungen seitens der Eltern sehr belastet werden.

Hilfe holen

Wenn Eltern oder Lehrer an die Grenzen stoßen und die Ängste vor der Schule länger bestehen und mit herkömmlichen pädagogischen Methoden keine Besserung erzielt werden kann, dann sollte man Hilfe holen. In der Schule kann man zum Beispiel die Schulsozialarbeit oder die Schulpsychologie zu Rate ziehen. Betroffene Eltern können sich mit Jugendpsychologen in Verbindung setzen, denn: „Wichtig ist, dass die Probleme beseitigt werden!“, betont Dr. Matschnig.

Aus dem Archiv von BildungsTV

Dr. Werner Leixnering referierte am 26. November 2013 im Neuen Rathaus in Linz über Unsicherheiten und Ängste - diese sind grundsätzlich bei Kindern und Jugendlichen nichts Ungewöhnliches. Was ist aber, wenn diese Ängste den Kindergarten- und Schulalltag beeinträchtigen? Wie können diese Ängste abgebaut oder von vornherein vermieden werden? Antworten darauf liefert der Neurologe in seinem Vortrag.

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