Eltern, habt Mut zur Lücke!

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Stefan Ofner, Psychologe und Mitbegründer des Instituts für Neue Autorität, erzählte bei der Tagung "Familie im Wandel", dass Eltern meinen, der Druck und die Erwartungen an sie werden immer höher. Er kann allerdings beobachten, dass der meiste Druck von innen kommt, sozusagen selbstgemacht ist.

Denn Eltern stellen sich selbst in ständigen Vergleich mit anderen. Das häufigste Problem sieht Ofner darin, dass Eltern zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Sein Rat: "Mut zur Lücke".

Ein mächtiger Faktor, der das Familienleben heute stark beeinflusst, sind Zukunftsängste der Eltern. Diese übertragen sich natürlich auf deren Kinder. Nicht umsonst haben viele psychische Erkrankungen bei Kindern mit Ängsten zu tun - Verlust-, Separations- oder Versagensangst sowie Schulphobie sind sozuagen die "Klassiker" der auftretenden Probleme.

20% aller Kinder und Jugendlichen leiden unter psychischen Problemen, 10% davon müssen behandelt werden. Diese Erkrankungen zeigen sich in vielen Fällen auch durch Verhaltensauffälligkeiten. Wie geht man als Elternteil, Lehrer oder Betreuer am besten damit um?

Über diese und weitere Themen rund ums Familienleben ging es bei der Fachtagung "Familie im Wandel der Zeit" am 4. und 5. Mai 2016 im Bildungshaus Schloss Puchberg. Veranstalter der Tagung war die Congress Company. Wir haben bei der Tagung drei Fachvorträge in voller Länge aufgezeichnet - der dritte Vortrag folgt in Kürze.

Wie sehen Familien heute aus?


Mag. Stefan Ofner: Neue Autorität - Wie Eltern heute ihre Kinder gut ins Leben begleiten können

Stefan Ofner ist Psychologe und Mitbegründer des Instituts für Neue Autorität. In seinem Vortrag stellt er die vier Dimensionen der Neuen Autorität vor: (1) Liebe, Pflicht, Verantwortung - (2) Selbstkontrolle - (3) Netzwerk & Gemeinschaft - (4) Zeit. Er zeigt, wie Eltern mithilfe dieser vier Säulen ihre Kinder gut ins Leben begleiten können. Aber auch, wie sie in schwierigen Zeiten respektvoll Grenzen setzen und ihre Kinder wieder auf den richtigen Weg bringen können, denn die Neue Autorität ist laut Ofner „ein Versuch, Autorität zeitgemäß zu definieren“.

Dr. Christoph Göttl: Von Säugetierinstinkten und Bindungstraumata

Was haben wir mit Säugetieren gemeinsam? Das Verhalten in Notsituationen: fliehen - kämpfen - totstellen. Diese Notsituationen können Traumatisierungen auslösen, sich in unserem Gehirn festsetzen und immer wieder durch Schlüsselreize hervorgerufen werden. Die alltagsnormale Persönlichkeit tritt dann in den Hintergrund und wir befinden uns im Trauma-System, in dem wir als Opfer (kämpfen, fliehen, totstellen), als Täter oder als Pseudoretter in Aktion treten. Der Psychiater und Deeskalationsmanager Dr. Christoph Göttl zeigt in seinem Vortrag Möglichkeiten auf, (bindungstraumatisierte) Kinder und Jugendliche, bevor die Situation eskaliert, aus dem Trauma-System zu holen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Körpersprache.

Im Anschluss an seinen Vortrag zeigte der Psychiater ein Video, das deutlich veranschaulicht, wie Menschen (in diesem Fall Babies zwischen neun und 12 Monaten) prüfen, ob sie in Gefahr sind oder nicht – dies geschieht durch soziales Referenzieren. Das heißt, durch ein Orientieren am emotionalen Gesichtsausdruck der Bezugsperson, stellen die Kinder in dem Video fest, wie die kritische Situation zu bewerten ist und reagieren dementsprechend. Göttl will damit den Stellenwert von non-verbaler Kommunikation betonen. Auch verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche suchen immer, bevor sie in die Stressreaktion gehen, den Blick, der ihnen sagt, was zu tun ist. In dieser kurzen Zeit (750 Millisekunden) des sozialen Referenzierens kann das Gegenüber reagieren und so Situationen entschärfen – allein durch Mimik.

Hier der Link zum Video: An Experiment by Joseph Campos: The Visual Cliff


Stefan Ofner: "Ängste der Eltern sind ein mächtiger Faktor"

Wie haben sich Familien in den letzten Jahrzehnten verändert, welche Herausforderungen müssen bestritten werden und wie können Eltern, Lehrer oder die Gesellschaft damit umgehen? Ängste sind laut dem Psychologen ein mächtiger Faktor, welchen Einfluss haben aber die Ängste der Eltern auf deren Kinder? Diese Fragen hat uns Stefan Ofner im Interview beantwortet.

Christoph Göttl: Non-verbale Kommunikation zur Deeskalation

Der Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen ist eine große Herausforderung. Was tun, wenn eine Situation droht zu eskalieren? Wie funktioniert Deeskalation? Dr. Christoph Göttl schlägt als Reaktion in solchen Situationen non-verbale Kommunikation vor, eine mittelfristige Lösung für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen wäre für den Psychiater Bindung aufzubauen.