Faktencheck WLAN-Strahlung

Bild: Thinkstock
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Kaum eine Frage spaltet die Diskutanten so sehr wie die Schädlichkeit oder Unschädlichkeit von WLAN- und Handystrahlung. Dabei werden relativ oft verschiedenste Dinge vermischt, verwechselt, ignoriert oder falsch dargestellt. Wir versuchen hier mal, einen kurzen Überblick zu schaffen.

Arten von Strahlen

Prinzipiell unterscheidet man in der Welt der Physik zwischen zwei Strahlungstypen: ionisierenden und nicht-ionisierenden. Der Unterschied ist kurzgefasst: ionisierende Strahlung kann verschiedenste Moleküle dauerhaft verändern. Dazu gehören beispielsweise Röntgenstrahlung oder auch radioaktive Strahlung. Dem gegenüber steht die nicht-ionisierende Strahlung, zu der unter anderem die elektromagnetische Strahlung gehört, die durch Handys oder WLAN verursacht wird. Prinzipiell gibt es zum Thema elektromagnetische Strahlung bereits eine Unmenge von Studien. Bisher erwiesen ist dabei realistisch gesehen nur ein Effekt: Hochfrequente Strahlung kann das Körpergewebe erwärmen. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Die internationale Kommission für nicht-ionisierende Strahlung und deren Auswirkungen (genannt ICNIRP) meint hier zum Beispiel, dass eine Erwärmung von Gewebe um ein Grad gesundheitlich unbedenklich ist, da diese Erwärmung von Gewebe auch durch heiße Getränke, Sport oder Sonnenbaden erreicht werden kann. Kurzfristig ist wohl auch darüber hinaus kein Problem zu erwarten. Wer hatte nicht schon einmal 39 Grad Fieber während einer Grippe?

Aufnahme im Körper – der SAR Wert

Um jetzt gezielt zu benennen, wie Strahlung im Körper aufgenommen und zu Energie (also Wärme) verarbeitet wird, gibt es die sog. „Spezifische Absorptions-Rate“ – kurz SAR. Diese beschreibt die aufgenommene Leistung in Watt pro Kilogramm Körpermasse. Will man nun die Körperkerntemperatur um das vorhin beschriebene ein Grad Celsius erhöhen, müsste man ihn für mindestens 30 Minuten mit hochfrequenter Strahlung „beschießen“, die einen SAR-Wert von zumindest 4 aufweist. Vorsorglich hat die ICNIRP hier noch einen Schutzpuffer festgelegt und als Empfehlung einen maximalen SAR-Wert von 2 für einzelne Körperteile wie Rumpf oder Kopf festgelegt. Diesen Grenzwert dürfen im Handel erhältliche Geräte nicht überschreiten. Theoretisch bräuchte ich also ein Gerät, welches den Grenzwert um das doppelte übersteigt, müsste es direkt am Körper betreiben und das Ganze für nicht weniger als 30 Minuten, um eine Temperaturerhöhung um das gesagt eine Grad zu erreichen. In der Praxis schafft man das allerdings nur sehr schwer.

Die SAR-Werte von Handys und WLAN

Unterhalb des Grenzwertes von 2 SAR gilt aktuell, dass keine gesundheitlich nachteilige Wirkung auf Körpergewebe nachgewiesen werden kann. Doch wie stark strahlen Handys und WLAN jetzt eigentlich wirklich? Moderne Smartphones weisen SAR-Werte im Bereich von 0,2 bis 1,3 auf. Sie sind also allesamt unter den Grenzwerten! Gleiches gilt für WLAN-Router. Dort liegen die SAR-Werte meist um die 0,1 bis 0,3. Diese Werte gelten bei beiden Geräteklassen jedoch nur, wenn sie direkt am Körper betrieben werden. Das passiert bei Smartphones natürlich häufig (die hält man sich ja ans Ohr), bei WLAN-Routern eher selten. 

Die Entfernung und Hindernisse

Die oben gerade erwähnten SAR-Werte von WLAN-Routern haben allerdings einen ganz wichtigen Aspekt: die Werte gelten direkt am Gerät. Dort hat man eine Sendeleistung von etwa 0,1 bis 0,2 Watt und erreicht dabei dann den SAR-Wert von etwa 0,1. Nun ist es allerdings so, dass die Strahlungsstärke mit entsprechender Entfernung zum Gerät sehr schnell abnimmt bzw. auch von Hindernissen wie Wänden, Türen, ja sogar Fenstern stark gedämpft wird. In einem Meter Entfernung zum WLAN-Router ist die Strahlung bereits um 80 Prozent vermindert. Angegeben wird die Sendeleistung mit dem Wert „-dbm“, der mittels eines Algorithmus berechnet werden kann. Was bedeutet dieses Kauderwelsch nun? Prinzipiell kann ein WLAN-Router die benötigte Sendeleistung sehr gut anpassen. Wenn ich mit meinem Empfangsgerät nur ein paar Zentimeter neben dem Router stehe, benötigt dieser nur noch eine Sendeleistung von ein paar Milliwatt. Erhöhe ich die Entfernung, erhöht sich auch die Sendeleistung. Allerdings nicht unbegrenzt, sondern nur bis zu einem Maximalwert von (je nach Router) 0,1 bis 0,2 Watt. Diese Sendeleistung wird aber, wie erwähnt, sehr schnell durch die Entfernung und Hindernisse abgedämpft. Ein Beispiel: obwohl ich in meinem Büro subjektiv wirklich hervorragenden WLAN-Empfang habe, liegt die Signalstärke rein technisch tatsächlich nur bei -59 dbm. Was bedeutet das nun wieder? Bei -20 dbm fängt der Bereich an, den man als ausgezeichnete Signalqualität bewertet. Bei jeder Verminderung dieses Wertes um den Wert 3 halbiert sich die Stärke der Strahlung. Habe ich also als einen Wert von -29 dbm, hat die ankommende Strahlung nur noch ein Achtel der Stärke, die sie bei -20 dbm hatte. Habe ich nun aber einen Wert von -59 dbm bei einer Maximalsendeleistung des Routers von 0,2 Watt, kommt bei mir nur noch ein Strahlenwert von 0,0000006104 Watt an (gerundet). Wenn mir also im Büro manchmal heiß wird, hat das wohl viele Gründe – die WLAN-Strahlung dürfte bei dieser Stärke allerdings keine sein! Dieses starke Nachlassen der Strahlung mit zunehmender Entfernung ist beispielsweise auch der Grund, warum bei einem WLAN-Router eine Sendeleistung von 0,2 Watt ausreicht, während Fernsehmasten meist mit Stärken von mehr als 10.000 Watt senden. Vielleicht noch kurz zur Strahlung von Handys: diese senden mit einer Stärke von 1 bis 2 Watt (je nach Frequenzband). Mit anderen Worten: die tatsächliche Sendeleistung eines Handys liegt 10mal höher als die eines WLAN-Routers. Dazu kommt dann noch, dass man das Handy direkt am Ohr betreibt, der WLAN-Router aber im Normalfall deutlich weiter weg vom Körper ist. Der gesetzlich erlaubte Grenzwert für Mobilfunk liegt sogar bei 10 Watt, ist also einhundert Mal höher, als der Grenzwert für einen WLAN-Router! Der Grund für die deutlich niedrigeren Grenzwerte, mit denen WLAN-Router maximal senden dürfen, ist dabei auch nicht das Bedenken über mögliche gesundheitliche Schäden, sondern vielmehr die Tatsache, dass private Funksignale sich nicht störend auf öffentlich genehmigte Signale wie Mobilfunk, Fernsehen, Radio oder Blaulichtfunk auswirken sollen.

Studien und Studien und Studien

Am Ende bleibt jetzt aber die Situation, dass zum Thema Strahlung unzählige Studien herumgeistern, die sich in Qualität und Aussagekraft sehr stark unterscheiden. Als Meta-Essenz bleibt momentan übrig: eine gesundheitsgefährdende, ja vielleicht sogar krebserregende Wirkung von hochfrequenter Strahlung konnte bis dato nicht nachgewiesen werden. Es deutet sehr wenig darauf hin, ein Restrisiko bleibt allerdings (so wie überall). Deshalb hat beispielsweise die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) elektromagnetische Strahlung auf die Liste der „vielleicht krebserregenden Einflüsse“ gesetzt. Auf dieser sog. „2B-Liste“ finden sich dann aber unter anderem auch Dinge wie: Kaffeesäure, Ginkoextrakt, Kokosnussöl, Nickel, Aloe Vera, Carragen (als Verdickungsmittel in vielen Lebensmitteln), Bitumen und noch vieles vieles mehr. Es gibt übrigens auch eine sog. „1-Liste“, auf der die ganz sicher krebserregenden Einflüsse aufgeführt werden. Dazu zählen unter anderem: Solarien, Sonnenstrahlung, Möbelbau (Holzdämpfe führen zu Nasenkrebs) und Holzstaub, verarbeitetes Fleisch und noch einhundert andere Einflüsse.

Fazit

Welche Entscheidung Sie nun für sich selber bezüglich der Verwendung von WLAN und Mobiltelefonen fällen, ist natürlich vollkommen Ihnen überlassen. Wir hoffen allerdings, dass wir Ihnen mit diesen Erläuterungen einen kleinen naturwissenschaftlichen Einblick in diese Thematik geben konnten, da es hier mittlerweile unglaublich viele polemisierende und fachlich fragwürdige Behauptungen gibt. Nicht unerwähnt sollen hier aber die unzähligen Erfahrungsberichte bleiben, in denen Menschen darauf hingewiesen haben, wie negativ sich ihre Konzentrationsfähigkeit, die Leistungsfähigkeit, die Schlafgewohnheiten und überhaupt alles entwickelt haben, nachdem in ihrem Umfeld WLAN-Router installiert wurden. Meist sogar, wenn diese Router nur Attrappen waren, die gar nicht in Betrieb genommen wurden. Das ist dann wohl der Beweis dafür, dass der menschliche Geist stets stärker ist, als jede elektromagnetische Strahlung.

Ihre Meinung


Markus
22.03.2017 / 18:13
Über die zellenschädigende Wirkung der Strahlung gibt es wohl europaweit kaum mehr Zweifel. Die Krebsraten steigen,...... Forschungsergebnisse, die nicht gerne akzeptiert werden finden Sie zB. bei einer tschechischen Forschergruppe um Ing. Milan Heijn: http://www.milanhein.cz/00_de_vyzkum.php Markus Hagler, 22.3.2017

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Bernhard
23.03.2017 / 08:21
Sehr geehrter Herr Hagler, vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider kann ich Ihren Ausführungen nicht zustimmen. Die von Ihnen erwähnten "Forschungsergebnisse" können wohl kaum als wissenschaftlich fundiert erachtet werden. Zum einen sollte man immer skeptisch sein, wenn einem die "Forschergruppe" zeitgleich die Lösung für die "Forschungsergebnisse" mitverkaufen will. Die auf der von Ihnen angeführten Homepage erhältlichen Produkte "Baroqual", "PÚ" und "ADiK" sind ja alles andere als kostenlos. Gleichzeitig fallen sowohl das verwendete "Biofeld-Messgerät" als auch die angeführte "EAV-Methode" eindeutig in das Feld der Pseudowissenschaft. Ja sogar auf der von Ihnen angeführten Homepage findet man folgenden Abatz: "Jedes Masseteilchen wird durch die Existenz eines Raumfeldes begleitet. Die Existenz, dieser bis jetzt von der Physik noch nicht beschriebenen Felder für das elektrische Signal, hat den Beginn des Studiums der Erscheinungen ermöglicht, welche durch ihre Atypien in die Schemen der heutigen physikalischen Weltauffassung nicht hineinfallen." Mit anderen Worten: niemand kennt, was wir hier erforschen, dadurch sind unsere Forschungsergebnisse auch so toll, weil sie niemand widerlegen kann... Wo ich Ihnen zustimmen kann ist die Aussage, dass die Krebsrate steigt. Dies allerdings auf elektromagnetische, nicht-ionisierende Strahlung zurückzuführen, ist eine sehr gewagte Aussage. Selbst die Statistik Austria führt an, dass ein Großteil der Krebserkrankungen im hohen Alter auftregen. Dadurch steigt mit steigender Lebenserwartung der Bevölkerung natürlich auch die Zahl der Krebserkrankungen. So sind zum Beispiel weniger als 1 Prozent der Krebserkrankungen in Österreich Kinder und Jugendliche. Dass es also, so wie Sie anführen, europaweit kaum mehr Zweifel über die Gefahr von Strahlen gibt, kann ich nicht bestätigen.

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