Tippen statt Schreiben?

(c) Thinkstock/iStock
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Mit Herbst 2016 heißt es in Finnland "Schreibschrift Adé!". An ihrer Stelle lernen die Kinder das Tippen. Für Notizen mit der Hand sollen Druckbuchstaben reichen. Wo liegen die Grenzen der digitalen Revolution?

Sind die Tage der Schönschrift gezählt? Wenn man nach Finnland, dem PISA-Spitzenreiter, schaut, dann heißt es ganz klar: ja! Hier rückt die digitale Revolution bereits soweit ins Klassenzimmer vor, dass ab Herbst 2016 in finnländischen Grundschulen keine zusammenhängende Schreibschrift mehr unterrichtet wird.

Schreiben wie gedruckt

Laut Minna Harmanen vom finnnischen Ausbildungsamt ist dieser Bruch mit der Schultradition für die Schüler nur von Vorteil. Als Lehrerin habe sie selbst festgestellt, dass sich Schüler oft derart mit der Schreibschrift plagen, dass sie vielmehr Sorgen um das Aussehen ihrer Buchstaben haben, als um den Inhalt. Vielen ist die Schönschrift so lästig, dass sie ihre Aufsätze lieber in Druckbuchstaben schreiben. Harmanen berichtet von Schreibblockaden, unter welchen die Schüler leiden würden. Diese wären nicht vorhanden, wenn die Schüler Texte am Computer verfassen.

Tastatur statt Füllfeder

"Fließendes Tippen ist eine wichtige Fähigkeit der Bürger, die man sich für alle wünschen kann", so Minna Harmanen im finischen Blatt Savon Sanomat. Ein großer kultureller Wandel steht bevor, so sei das Tippen heute einfach wichtiger. Schulen würden zudem nicht daran gehindert, weiterhin Schreibschrift anzubieten. Es werde nur nicht mehr im Lehrplan festgelegt. Um Hirnfunktionen und Feinmotorik zu fördern, sollen die Kinder nun werken und zeichnen. Von der Verwendung von Tastaturen und dem Erlernen von "Texting", sollen auch jene Kinder profitieren, die im Elternhaus keinen Zugriff auf solche Geräte haben.

Steve Jobs Schools in den Niederlanden

In den Niederlanden wird diese Entwicklung noch stärker forciert. Hier gibt es mittlerweile 22 sogenannte Steve Jobs Schools. Hier gibt es keine Tafeln, fixe Sitzplätze oder gar einen formalen Lehrplan. Kinder arbeiten im 30-Minuten-Rhythmus an unterschiedlichen Themen und das zu 45% am iPad.

Ihre Meinung


04.02.2015 / 10:29
Das ist schlichtweg Wahnsinn, die Kinder sind feinmotorisch ohnehin schon alle so schwach - man denke nur an all die Berufe, wo Feinmotorik wichtig ist (und das sind fast alle!)

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