Wie kann man am besten mit psychischen Krisen umgehen?

Krisen k├Ânnen jeden von uns treffen! Manchmal kommen sie schleichend und unbemerkt, manchmal spontan, schlagartig und heftig. Egal ob bei uns selbst oder bei jemanden in unserem Umfeld. Wie lassen sich Krisen vermeiden? Wie bew├Ąltigen? Wie k├Ânnen wir anderen helfen?

Am 09.10.2018 fand zum achten Mal im Linzer Ursulinenhof der "Tag der psychischen Gesundheit" von pro mente O├ľ statt. Trotz gro├čen Saal und Video├╝bertragung in den Vorraum, fanden nicht alle Interessierten Platz, was auf die gro├če Bedeutung des Themas r├╝ckschlie├čen l├Ąsst.  Thema war heuer "Wenn alles zuviel wird ... Erste Hilfe f├╝r die Seele".

BildungsTV hat die drei Keynotes in voller L├Ąnge aufgezeichnet.


Der Gesundheitspsychologe Georg Fraberger spricht in seinem Vortrag ├╝ber ÔÇ×Krise und GesellschaftÔÇť und erl├Ąutert gleich zu Beginn, dass psychische Krankheiten meist aus zwei unterschiedlichen Ursachen entstehen k├Ânnen. ÔÇ×Psychische Krankheiten entstehen auf Grund von misslungenen Beziehungen. Der Rest vielleicht auf Grund von Drogen oder irgendwelchen anderen bewusstseinserweiternden Substanzen oder Mangelerscheinungen. Aber Hauptursache sind fehlgeleitete BeziehungenÔÇť, betont Fraberger.

Als Ausl├Âser von Krisen bezeichnet er Ereignisse, die entweder eintreffen (zB. Tod oder Krankheiten)  oder nicht eintreffen (zB. Kinder- oder Karrierewunsch).

Ein gro├čer Stressfaktor ist, st├Ąndig dar├╝ber zu gr├╝beln, was denn die anderen ├╝ber einen denken. ÔÇ×Wir machen uns zu Wunscherf├╝llern von anderen LeutenÔÇť, so Fraberger und wenn wir diese Erwartungen nicht erf├╝llen, dann haben wir tats├Ąchlich eine Krise.

ÔÇ×Diesen Wunsch, den wir an den anderen stellen, der ist richtig. Ich bin daf├╝r, dass wir alle unsere W├╝nsche ├Ąu├čern, alles was wir uns vom anderen w├╝nschen, aber dass es nur beim Wunsch bleibt. Der andere wird nicht mein Wunscherf├╝ller. Es soll nur der Wunsch ├╝bermittelt werden, nicht die Schuld, wenn der Wunsch nicht erf├╝llt wird, denn die Schuld tr├Ągt leider nicht der andere, die trage ich. [ÔÇŽ] Es ist die Qualit├Ąt einer Beziehung, die den Stress bestimmt und nicht die eigenen F├Ąhigkeiten."


Der ├ärztliche Leiter vom pro mente Reha Sonnenpark Neusiedlersee, Prim. Dr. Paul Kaufmann, geht in seinem Vortrag auf die Fragen ein, wie man psychische Krisen vermeiden kann bzw. ob Krisen ├╝berhaupt zu verhindern sind. "Wir sollten uns weit mehr dar├╝ber k├╝mmern ein gesundes Leben zu leben, als dann die Krankheiten zu behandeln", so Kaufmann einleitend in Bezugnahme auf die g├Ąngige Literatur zum Thema.

Als einen zentralen Punkt sieht Kaufmann die Achtsamkeit sich selbst gegen├╝ber. Einfach analysieren ohne zu bewerten, was jetzt gerade ist, wie es einem geht und was man jetzt brauchen k├Ânnte. Auch eine positive Denkweise hilft. "Optimismus macht ziemlich krisenresistent. [...] Man kann trainieren, den Blick aufs Gelingende zu legen", empfiehlt der Psychotherapeut. Und ein ganz wichtiges Mittel, um auch geistig gesund zu bleiben, ist die Bewegung. Jeder m├╝sse f├╝r sich das Richtige finden, egal ob laufen, spazieren gehen, schwimmen, radfahren oder tanzen.


Wie kann man bei seelischen Notf├Ąllen helfen? Was sollte man dabei beachten? Wann braucht es professionelle Unterst├╝tzung und welche Unterst├╝tzungsangebote gibt es? Auf diese und weitere Fragestellungen geht Mag. Sonja H├Ârmanseder von der Krisenhilfe O├ľ in ihrem Vortrag ein.

Anzeichen einer Krise k├Ânnen Antriebslosigkeit, Wut, Trauer, Angst, R├╝ckzug, Isolation oder dergleichen sein. F├╝r Helfer in Krisenzeiten gilt ├Ąhnliches wie bei medizinischen Notf├Ąllen: Nicht wegsehen, aktives Zugehen auf Betroffene, sich Zeit nehmen und Geduld haben und einfach DA sein.

Ein Patentrezept f├╝r Wege aus der Krise gibt es nicht, denn jeder f├╝hlt und erlebt Krisen anders. "Wir d├╝rfen nie von der eigenen Sicht der Dinge ausgehen. Wie k├Ąme ich in so einer Situation zurecht? Was w├Ąre mir hilfreich? Denn Krisen sind immer ganz individuell", betont H├Ârmanseder.

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