Traumazentrierte Psychotherapie mit EMDR

Das Buch ist informativ geschrieben, mit wissenschaftlicher Sorgfalt und mit vielen interessanten therapeutischen Handlungs-Details


Autor: Münker-Kramer E
Verlag: München Basel: E.Reinhardt: Reihe Wege der Psychotherapie
Erschienen: 2015

Zum Inhalt

 

Das neue Buch aus der Reihe "Wege der Psychotherapie" folgt dem bewährten Aufbau: Nach Einführung und geschichtlicher Entwicklung kommt die Beschreibung der zugrundeliegenden Theorie, die Darstellung des therapeutischen Prozesses. Schließlich werden Evaluationsergebnisse eingebracht und das Werk durch Ausblicke auf zukünftige Entwicklungen und eine Zusammenfassung mit Glossar und Literaturempfehlungen abgerundet.
"EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist als traumaverarbeitende Methode bekannt geworden und ein heute weltweit von über ca. 70000 Praktikerin angewendetes Therapieverfahren. Es wurde von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro Ende der 1980er Jahre erstmals beschrieben und vorgestellt" (Seite 9).

Shapiros Zufallsentdeckung während eines Spaziergangs betraf die entlastende Wirkung von sakkadischen, bilateralen Augenbewegungen. Diese hatten sich autonom eingeschaltet, während ihre belastenden Gedanken sich im Kreis drehten, - und an Wirkung verloren. Die Psychologin begann darauf, die Zusammenhänge wissenschaftlich zu erforschen. Bald entdeckte man, dass die Effekte über eine bloße Desensibilisierung hinaus gingen. Die Geschichte der Methode zeigt drei Paradigmenwechsel: Die zunächst von Shapiro EMD genannte Methode wurde von ihr um das R (für Reprocessing) erweitert, womit z.B. Reattribuierungen, Netzwerkverbindungen, Einordnungen etc. in den Fokus genommen werden konnten. Dieser erste um 1990 erfolgte Paradigmenwechsel wurde etwa um 2005 von einem zweiten Paradigmenwechsel abgelöst, mit dem das Verfahren auf einen weiteren Indikationsbereich angesetzt werden konnte und als Psychotherapiemethode diskutiert wurde. Rund 10 Jahre später wird mit dem dritten Paradigmenwechsel der Einsatz bei psychotischen Menschen nicht mehr ausgeschlossen.

Hinter diesen Entwicklungen steht das AIP-Modell.  Dieses Adaptive Information Processing sorgt für Integration und Anpassung von herein kommenden Informationen. Dieses System ist wie ein REM (rapid eye movement)-Schlaf, in dem bekanntlich ein Verarbeiten von Erlebnissen stattfindet. Dieses Anpassungssystem kann krankmachend überfordert sein.

Das Buch ist informativ geschrieben, mit wissenschaftlicher Sorgfalt und mit vielen interessanten therapeutischen Handlungs-Details, die manchmal einen sehr "technischen" Eindruck machen. Die Kreis-Darstellungen findet der Rezensent mit wenigen Ausnahmen nicht sehr hilfreich, die Darstellung des "Diskrepanzwinkels" auf Seite 35 unnötig für die Aussage, dass je mehr Belastung je weniger Ressourcen gegenüber stehen, desto mehr Angleichung erforderlich ist.

Die Autorin berichtet sachlich, aber spannend, kompetent durch 15jährige Erfahrung und zur Beschäftigung mit dieser faszinierenden Methode anregend! Selbst der Anhang bringt noch Methodik ein: die traumaspezifische Anamnese und die 5-4-3-2-1-Übung - zwei Ideen, die  etliche Leser gern ab sofort in ihr therapeutisches Inventar aufnehmen werden!

Meta-Daten

Sprache
Deutsch
Anbieter
Education Group
Veröffentlicht am
04.10.2015
Link
https://www.edugroup.at/bildung/paedagogen-paedagoginnen/rezensionen/existenz-entwicklung-tod/detail/traumazentrierte-psychotherapie-mit-emdr.html
Kostenpflichtig
nein