Game Based Learning

Hemera/Thinkstock
Hemera/Thinkstock

Unter Game Based Learning versteht man Forschungsbem√ľhungen, die sich um das Vermittlungspotenzial von Computerspielen drehen. Hier kommen verschiedene Wissenschaftsrichtungen zum Zug, die sich mit den vielf√§ltigen Varianten von Computerspielen besch√§ftigen.

Die Online-Welt gehört zum Leben der Jugendlichen

In letzter Zeit sind vor allem psychologogische bzw. erziehungswissenschaftliche Ans√§tze gefragt. Wir haben f√ľr Sie gemeinsam mit dem Fachexperten Dr. Michael Wagner das Thema betrachtet und zeigen Ihnen sowohl Chancen als auch Herausforderungen von Game Based Learning auf.

Das Potential spielerischer Wissensvermittlung im schulischen Bereich

Durch den Einsatz von Lernspielen im Unterricht k√∂nnen verschiedene Ziele erreicht werden. Der Fokus liegt aus wissenschaftlicher Sicht auf der F√∂rderung der so genannten intrinsischen Motivation. Darunter versteht man die eigenmotivierte und selbstst√§ndige Besch√§ftigung mit Lerninhalten. Die Lehrperson wird im Fall von interaktiven Lernspielen immer mehr zum Tutor, der die Geschicke der Sch√ľler anleitet und im Bedarfsfall Unterst√ľtzung anbietet. Offene Lernprozesse k√∂nnen durch Lernspiele gef√∂rdert und gleichzeitig auch gefordert werden.

Lebensnahe Realitäten

In letzter Zeit wurde au√üerdem viel Augenmerk auf das konstruktivistische Paradigma gelegt. Die konstruktivistische Sichtweise legt nahe, dass durch virtuelle Welten lebensnahe Realit√§ten geschaffen werden k√∂nnen, in welchen sich Spieler frei bewegen und eigene Entscheidungen treffen k√∂nnen. Die Spielerfahrung ist subjektiv und authentisch, wobei der Explorationsdrang nicht eingeschr√§nkt sondern unterst√ľtzt wird. Spieler sind sich der k√ľnstlichen Welt, in der sie sich bewegen, bewusst. Diese Erkenntnis nutzen sie, um ohne Angst vor negativen Konsequenzen ihre kognitiven F√§higkeiten unter Beweis zu stellen.

Kinder sind "digital natives"

Computerspiele besitzen weiters einen hohen Bezug zur aktuellen Erlebniswelt von Jugendlichen. Diese wachsen zu einem großen Teil als "digital natives" auf, sie sind mit digitalen Medien vertraut und sehen die Nutzung von Technologien auf allen Ebenen als selbstverständlich an. Computer- und auch Lernspiele haben einen direkten Bezug zu dieser Lebenswelt. Sie bieten eine Spielwiese voller Möglichkeiten der Interaktion. Spieler werden mit Problemen konfrontiert, die nur durch eine gezielte Vorgangsweise gelöst werden können. Erwiesen ist in diesem Zusammenhang, dass digitale Spiele in der Lage sind, Problemlösestrategien zu fördern.

Vortrag: Game Based Learning


Game Based Learning - also spielerisches Lernen - ist f√ľr manche P√§dagogen nicht mehr wegzudenken, f√ľr andere ist es komplettes Neuland. Dr. Michael Wagner pr√§sentiert in seinem Vortrag (2011) Forschungen zu diesem Thema, kl√§rt auf, was es mit dieser Lernart auf sich hat und stellt sein selbst konzipiertes Lernspiel vor. Game Based Learning soll die Kluft zwischen schulischer und medialer Lebensumwelt der Jugendlichen verkleinern.

H√ľrden beim Einsatz von Lernspielen

Nat√ľlich gibt es auch Hindernisse, die den Einsatz von Lernspielen im Unterricht erschweren k√∂nnen. Nicht alle Sch√ľler sind medienaffin und spielbegeistert. Es gibt verschiedene Lernpr√§ferenzen, die durch Lernspiele nicht ganzheitlich abgedeckt werden k√∂nnen. Dreidimensionale Lernwelten erfordern oftmals eine gewisse Orientierungsf√§higkeit. Wenn zu viele Interaktionsm√∂glichkeiten bzw. un√ľbersichtliche Spielwelten geschaffen werden, dann kann das Ph√§nomen der ‚ÄěLostness‚Äú resultieren: Spieler verlieren in diesem Fall schnell die Orientierung. Eine gewisse Flexibilit√§t hinsichtlich des Einsatzes von interaktiven Medien im Unterricht bzw. eine Anpassung an die indivuellen Bed√ľrfnisse und F√§higkeiten von allen Sch√ľlern ist jedenfalls notwendig.

Vor allem offene Lernumgebungen erfordern eine hohe Lernanstrengung und Disziplin seitens der Sch√ľler. Der Bezug zu Lerninhalten muss selbst hergestellt werden. Mittlerweile hat sich in verschiedenen Praxisprojekten im Zusammenhang mit Lernspielen gezeigt, dass die Lehrperson hier eine sehr wichtige Rolle einnimmt. Die Spielinhalte sollten gemeinsam mit der Lehrkraft reflektiert werden, damit ein Bezug zum Unterrichtsinhalt hergestellt werden kann.

Ein weiterer Stolperstein kann sich in Form der Rahmenbedingungen an Schulen ergeben. Eine veraltete Hardwareausstattung erschwert den Einsatz von Lernspielen im Unterricht massiv. Oftmals sind die Rechner in den IT-Räumen nicht auf die Anforderungen von aktuellen Lernspielen ausgelegt.

Wie kann man Game Based Learning im Unterricht einsetzen?

Bisherige Erkenntnisse aus der Lernforschung sehen in Lernspielen vor allem eine sinnvolle Erg√§nzung zu klassischen Lehr- und Lernmethoden, jedoch niemals einen Ersatz. Potentielle Einsatzszenarien sind beispielsweise Workshops bzw. Gruppenarbeiten, Projektwochen, Haus√ľbungen oder auch Experimente.

Der Fokus r√ľckt generell weg von etablierten Unterrichtsmethoden, wie etwa dem Frontalunterricht und bewegt sich in Richtung offener Lehr- und Lernstrategien. Es geht hierbei, wie auch bei klassischen Lehr- und Lernmethoden darum, Spieler auf ihrem individuellen Wissensstand abzuholen und sie gezielt zu f√∂rdern. Der zentrale Unterschied zu Schulb√ľchern ist der hohe Freiheitsgrad, welcher im Fall von modernen Lernspielen Sch√ľlern gew√§hrt wird.

Interview: Michael Wagner √ľber Game Based Learning


Univ.-Prof. Dr. Michael Wagner (Professor f√ľr Digitale Medien am Westphal College of Media Arts and Design der Drexel University in Philadelphia) erz√§hlt, warum er sich dem Thema Game Based Learning verschrieben hat, kl√§rt mit weit verbreiteten Mythen auf, erkl√§rt, warum heutzutage immer noch Arbeit und Spiel getrennt werden, zeigt Grenzen von Lernspielen auf und gibt Einblicke in die USA und wie dort Game Based Learning gehandhabt wird.

Vortrag: Game Based Learning


Der Schotte Derek P. Robertson geht in seinem Vortrag "Game Based Learning in der Praxis" auf die Vorteile von computerbasierten Lernen ein. Computerspiele sind in unseren Schulen noch immer ein Fremdkörper und weder von Lehrkräften noch von Eltern in der Klasse gerne gesehen. Robertson zeigt bei der eEducation Sommertagung 2011 eindrucksvoll, dass beim richtigen Einsatz der Spiele, sich ein erheblicher Lernerfolg einstellen kann.
Derek P. Robertson ist Professor an der University of Dundee, wo er das Feld des Game Based Learning erforscht. Robertson versucht mitunter den Einfluss von Computerspielen im Unterricht festzustellen, um zu zeigen, dass Computerspiele und Lernen eine durchwegs fruchtbare Kombination sein können.
www.edugroup.at/medien/bildungstv/detailseite.html
Interview Derek P. Robertson

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