3. Vernetzungstreffen "Gewalt-Schule-Medien"

LH-Stv. Mag. Thomas Stelzer betonte die Bedeutung von digitalen Kompetenzen
LH-Stv. Mag. Thomas Stelzer betonte die Bedeutung von digitalen Kompetenzen

Die steigende Bedeutung von Medienkompetenz spiegelt sich in den Digitalisierungsoffensiven von Bund und Land wider. Der Einsatz von Tablet und Co erfordert neben der optimalen IT-Infrastruktur vor allem didaktisches Know-how sowie das Wissen über Chancen und Gefahren Neuer Medien.

Um dieses Wissen in die Schulen zu bringen, startete 2010 das Projekt "Gewalt-Schule-Medien" mit dem Ziel, oö. Pädagogen auf die neuen Herausforderungen der digitalen Medien vorzubereiten. Gemeinsam mit Partnern aus der Medienpädagogik und Gewaltprävention wurden mehr als 500 Lehrkräfte in OÖ ausgebildet. Einmal jährlich findet ein Vernetzungstreffen statt. Dieses Jahr trafen sich rund 300 Pädagoginnen und Pädagogen im Linzer Schlossmuseum zum gegenseitigen Austausch und um sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren.

Alle Informationen zum Projekt gibts auf der Homepage!

Gewalt-Schule-Medien: Wie man Medien kompetent nutzt


300 Pädagoginnen und Pädagogen waren am 20.1.2017 zum 3. Vernetzungstreffen der Initiative "Gewalt-Schule-Medien" gekommen. Im Fokus stand die Vermittlung von Medienkompetenz, die Vermeidung von Suchtverhalten sowie der sinnvolle Einsatz von Medien im Unterricht. Auch wenn immer wieder von den "Digital Natives" gesprochen wird, die eh schon alle Technologien im Griff haben und keine Hilfe mehr brauchen, so halten die Experten auf der Tagung diesen Begriff als Mythos. "Wir haben schon viele Generationen, die mit Medien aufgewachsen sind. Die Medien ändern sich aber so rasch, dass eigentlich der Kompetenzzuwachs im Großen und Ganzen leider nicht zu sehen ist", so die Expertin von Saferinternet.at, Barbara Buchegger. Aus diesem Grund sind sowohl Schule, als auch Eltern gefordert, den Kindern und Jugendlichen ausreichend Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Bei der Tagung gab es fünf hilfreiche Vorträge zum Thema, die wir alle für Sie aufgezeichnet haben.

Kurosch Yazdi: Internetsucht: Vom normalen Konsum zur Erkrankung


Prim. Kurosch Yazdi vom Kepler Universitätsklinikum (Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin) geht in seinem Vortrag zu Beginn auf die verschiedenen Arten von Süchten ein und konzentriert sich dann auf die Online-Sucht. Wichtig ist, zwischen Online-Süchten und Süchten, die man auch im Internet ausüben kann zu unterscheiden, wie zB. Online-Poker. Dies zählt egal ob on- oder offline, zur Glücksspielsucht.

Die Online-Süchte unterteilt der Suchtexperte in:

- Social Media (meist junge Frauen betroffen)

- Online-Computerspiele: (meist junge Männer betroffen)

- Surfen bzw. (Pseudo-) Informationssuche (selten)

- Online-Pornographie (meist Männer im mittleren Alter)

Laut SEYLE-Studie (2012) sind in Österreich 3 - 5 % internetsüchtig und weitere 7 - 8 % sind gefährdet. Aktuellere Zahlen könnten durchaus höher sein.

Gründe für Sucht bei Jugendlichen können die Suche nach Identität und die Suche nach Beziehung sein.

Kurosch Yazdi: Steigende Anzahl von Jugendlichen mit Internetsucht


Seit 7 Jahren sei laut Suchtexperten Prim. Dr. Kurosch Yazdi eine steigende Anzahl an jungen Menschen zu verzeichnen, die sich wegen Internetsucht bei der pro mente OÖ behandeln lassen. Interessant sei auch, dass die Patienten immer jünger werden. Früher waren es meist 20- bis 25-Jährige, mittlerweile sind es schon 12- oder 13-Jährige, die mit ihren Eltern zur Therapie kommen. Im Interview sprachen wir mit ihm über Präventions- & Behandlungsmöglichkeiten und dem seiner Meinung nach missverstandenen Begriff der Medienkompetenz.

Peter Eberle: Internetsucht: Prävention in der Schule


Mag. Peter Eberle vom Institut Suchprävention geht in seinem Vortrag auf die steigende Mediennutzung von Jugendlichen ein und zeigt die Gefahren auf, die diese mit sich bringt.

Ein Problem in diesem Zusammenhang ist die sogenannte FoMO - Fear of Missing Out, also das allgegenwärtige Gefühl, etwas zu verpassen. Hierzu gibt es zum Beispiel einen Fragebogen zur Reflexion, ob man gefährdet ist oder nicht, dieser ist auch in der Schule gut einsetzbar. Menschen, die eine starke FoMO entwickeln, neigen dazu, diese durch intensive Nutzung von sozialen Medien zu lindern.

Eberle gibt zudem einen Ausblick, was in Sachen Technologie noch alles auf uns zukommt, Stichwort "Virtual Reality". Hier können alle möglichen Szenarien täuschend echt miterlebt werden, was vor allem bei Gewaltspielen große Bedenken aufwirft.

Sowohl hier, also auch bei allen anderen Medienangeboten, geht es für den Experten vor allem darum, dass Jugendliche in der realen Welt genügend Lebenswertes und Angenehmes für sich finden, um nicht in diese Welten fliehen zu müssen. Denn Sucht hat auch immer etwas mit Flucht zu tun", so Peter Eberle.

Josef Buchner: Neue Lernkultur mit neuen Medien


Mag. Josef Buchner von der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich stellt in seinem Vortrag didaktische Konzepte vor, wie digitale Medien den Unterricht unterstützen können. "Das Medium allein bringt Ihnen nicht viel, wir brauchen immer das didaktische Konzept dazu", so der Geschichtelehrer aus Wien, der sich intensiv mit dem Konzept des Flipped Classroom auseinandersetzt. Buchner zeigt verschiedene Apps, die Sie schnell und einfach im Unterricht nutzen können und gibt Beispiele aus seiner Unterrichtspraxis und seinen gemachten Erfahrungen.

Mehr von Josef Buchner und seinen Konzepten finden Sie auf https://www.youtube.com/josefbuchner oder www.flipped-classroom-austria.at.

Thomas Strasser: Wegweiser im digitalen Dschungel


Dr. Thomas Strasser von der Pädagogischen Hochschule Wien zeigt in seinem Vortrag, wie sich die Online- und Offline-Welt sinnvoll ergänzen kann. Sein Credo: "Wieso auf eine der beiden Welten, also der analogen oder digitalen Welt, verzichten, wenn man sich aus beiden Welten das Beste holen kann? Strasser distanziert sich in seinen Ausführungen klar von den Ansichten von Josef Kraus (Präsident des deutschen Lehrerverbands) und dem Hirnforscher Manfred Spitzer, die die Digitalisierung und Neue Medien als Gefahr für die Kinder und Jugendlichen sehen.

Er zeigt im Vortrag einige Educational Apps und Blended Learning Szenarien, die Sie im Unterricht einsetzen können - wann, wo und wie, das ist natürlich Ihrer Kreativität und Ihrem didaktischen Konzept überlassen.

Barbara Buchegger: Hilfe, mein Kind möchte YouTuber werden! Medienfragen von Eltern


DI Barbara Buchegger von Saferinternet.at gibt in ihrem Vortrag Antworten auf Medienfragen von Eltern, die immer wieder gestellt werden. Die größten Unsicherheiten bestehen bei Cybermobbing, Pornos und ungeeigneten Inhalten, der Selbstdarstellung der Kinder im Netz, Online-Kontakt mit Unbekannten und bei der Internetabzocke.

"Hilfe, mein Kind möchte YouTuber bzw. YouTuberin werden" - diesen Satz hört die Expertin öfter. Liegt den meisten Eltern bei der Idee ihrer Kids das "Nein" sofort auf den Lippen, würde es Buchegger mit einem anderen Weg probieren. "Mit dem Verbot alleine wirds nicht getan sein. [...] Die Antwort könnte ja auch lauten, "ja und das ist gut so"", so Buchegger, da die Kenntnisse, über Video Botschaften und Inhalte rüberzubringen, in Zukunft immer bedeutender sein werden.

Wie sie den anderen Fragestellungen gegenübersteht und welche Ratschläge sie Eltern und auch Lehrkräften sonst noch geben kann, sehen Sie im Video!